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Washington Watch IIIMontag, 14. Juli 2008
Es ist immer schön, Freunde zu haben, vor allem in Kampagnen. Freunde können die Kandidaten kommunikativ unterstützen, sie geben ihnen Expertise oder Glaubwürdigkeit bei wichtigen Zielgruppen. John McCain und Barack Obama haben zahlreiche solcher Freunde („surrogates“). In den vergangenen Tagen stellten diese Unterstützer aber mehr Wehe als Wohl für die Kampagnen dar.
Am Mittwoch war es Jesse Jackson, der in ein eingeschaltetes Mikrofon flüsterte, wie gerne er Barack Obama die „Eier abschneiden“ würde, weil er zu abgehoben und autoritär zur afro-amerikanischen Gemeinde spräche. Was hatte Obama gesagt? Im Frühjahr hatte er eine Rede vor einer schwarzen Gemeinde gehalten, in der er das Problem zerbrochener Familien und das geringe Verantwortungsbewusstsein afro-amerikanischer Männer ansprach. Dieser „straight talk“ hat anscheinend tiefe Wunden hinterlassen, vor allem bei schwarzen Symbolfiguren wie Jesse Jackson und Al Sharpton. Jackson bedauerte seinen Kommentar, aber das Thema rauschte ungedrosselt in die Abendnachrichten. Insgesamt kann diese Episode Obama aber helfen, der sich bewusst von der alten, etablierten, oft polarisierenden Bürgerrechtler-Garde absetzen kann. Punkt Obama. Anders verlief ein Ausrutscher von Phil Gramm, Ex-Senator aus Texas und einer der einflussreichsten Wirtschaftsberater von John McCain. Er diktierte Reportern der Washington Times in den Notizblock, dass Amerikaner keine reale Rezession durchleben würden, sondern eine mentale. Als Krönung nannte er das Land eine Nation von Jammerlappen. Das war starker Tobak, weil es das Bild eines John McCain zu bestätigen scheint, der sich den Nöten der Menschen nicht öffnet und sich unsicher auf dem Feld der Ökonomie bewegt. McCains Antwort auf den rhetorischen Ausfalls seines Beraters war schnell und konsequent. Er distanzierte sich von Gramm und stellte ihm in Aussicht, höchstens noch Botschafter in Weißrussland unter ihm werden zu können. Ob das reicht, ist zu bezweifeln. Der Gramm-Kommentar wird mit Sicherheit in demokratischen TV-Spots auftauchen. Einmal mehr zeigt sich: In einem komplexen kommunikativen Umfeld, in einem fragmentierten Medienumfeld, ist es unglaublich schwer, „on message“ zu bleiben. Washington Watch IIFreitag, 11. Juli 2008
Hier in Washington ist es genauso deutlich zu spüren wie in anderen Teilen des Landes. In Zeiten steigender Benzinpreise, einer kriselnden Wirtschaft, einer hartnäckigen Hypothekenkrise und dem militärischen Engagement im Irak wünschen sich die Menschen nichts Sehnlicheres als politischen Wandel.
Selten war ein Präsident so unpopulär, das Klima ist unterirdisch für die Republikanische Partei. Hätten die Republikaner nicht John McCain aufgestellt, dann könnten sie den Wahlkampf bereits ad acta legen. So aber bleibt es spannend. Es gibt in der Tat genug Szenarien, in denen McCain die Oberhand im Electoral College behalten würde. Denn es sei noch mal gesagt: Präsident wird nicht, wer die meisten Wählerstimmen im Land bekommt, sondern derjenige, der die Mehrheit der Wahlmännerstimmen (270) für sich gewinnen kann. Wir müssen also auf die einzelnen Bundesstaaten schauen. Zur Zeit liegt Obama in Schlüsselstaaten wie Ohio, Michigan oder Pennsylvania vorne. Diese Staaten haben aber eines gemeinsam: Eine große Zahl an weißen Arbeitern und weißer unterer Mittelschicht, die zwar ökonomisch in Richtung Demokraten tendiert, bei kulturellen und außenpolitischen Themen jedoch eher auf Seiten der Republikaner steht. John McCain hat in dieser bedeutenden Wählergruppe Chancen, mit seiner persönlichen Lebensgeschichte und seiner politischen Erfahrung zu punkten, sich als amerikanischer Held, als unabhängiger Kämpfer für das Gute zu präsentieren. Obama ist und bleibt gefühlte 3.000 Kilometer über dem Boden für diese Menschen. Man spürt, wie abgehoben und glatt er (noch) auf diese Wählergruppen wirkt. Er hat all das, was sie nicht haben. Einen Harvard-Abschluss, Eloquenz, Geld, ein schillerndes Starleben. Und er ist Afro-Amerikaner. Ein Punkt, den man leider nicht unterschätzen darf. Mike Podhorzer, leitender Stratege des Gewerkschaftsbundes AFL-CIO bringt all dies auf den Punkt, wenn er sagt: „People want change. But they don´t know if they want THAT much change.“ Bill Clinton war der letzte Demokrat, der bei weißen Wählern gut abgeschnitten hat. Dukakis, Gore, Kerry, sie alle verloren diese wahlentscheidende Gruppe deutlich. Clinton schaffte es ins Weiße Haus, der Rest bekanntlich nicht. Es bleibt spannend! Hier die neueste Battleground-State-Analyse von Brad Todd, einem der besten Wahlkampfexperten, den Amerika zu bieten hat:
Blogeintrag von Maik Bohne
um
14:35
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Tags für diesen Artikel: Al Gore, Barack Obama, Bill Clinton, Electoral College, Irak, john kerry, John McCain, Michigan, Ohio, Pennsylvania, Wählergruppen, wirtschaft
Washington Watch IMittwoch, 9. Juli 2008
In dieser Woche gibt es ungefilterte Einblicke aus den Vereinigten Staaten, direkt aus Washington DC.
Frisch angekommen in der Hauptstadt, auf dem Weg zur National Mall, begegnete ich gleich dem ersten Obama-Volunteer. Eine Mutter lief mit ihren kleinen Kids von Haus zu Haus, um Plakate und Sticker zu verteilen. Freundlicherweise hatte sie mich schnell in ihr Herz geschlossen und drückte mir mit einem freundlichen „Take it with you to Germany, honey!“ ein blaues Obama-Poster in die Hand. In der Tat ist Obama allgegenwärtig in dieser Stadt, auf Plakaten, auf Autos und Motorrollern. Von John McCain war bisher wenig zu sehen, das mag aber noch kommen. Am Sonntag Morgen standen Polit-Talkshows im Fernsehen an. Das übliche Geplänkel in der Zeit zwischen dem Ende der Vorwahlen und den Nominierungsparteitagen. Einziges Highlight war der Auftritt von Bob Barr, dem Kandidaten der Libertarian Party. Sein Credo: „Kill the Nanny State!“ Barr will den Staat weitgehend abschaffen. Egal ob Sozialhilfe, Steuern oder Drogenkontrolle, die Libertären hassen die angebliche Allmacht Washingtons. In den Medien bestimmen aber die Themen Energie und Wirtschaft die Agenda. Kaum eine Fernsehsendung ohne Tipps zum Energiesparen. Die Amerikaner wachen auf. Der Markt regelt die Preise, die Preise regeln das Verhalten. So läuft es nun einmal hier. Die Folge: Toyota Prius und doppelglasige Fenster stehen hoch im Kurs. Das Thema Wirtschaftsflaute treibt die Menschen um. Selten habe ich Amerikaner mit so viel Angst vor der Zukunft getroffen wie in diesen Tagen. Eine kleine Revolution in einem zweckoptimistischen Land. Auch die Kandidaten haben die Zeichen der Zeit erkannt. Gleich zwei neue Spots behandeln die oben genannten Themen. John McCain bekommt Unterstützung vom Republican National Committee, das McCains Energiepolitik als innovativ preist und Obama als durchschnittlichen Normalpolitiker ohne neue Lösungsansätze konstruiert. Man merkt: Es geht darum, wer sich den Mantel des effektivsten und glaubwürdigsten Reformers in einem Jahr des politischen Wandels überstreifen kann. Barack Obama schickt dagegen einen sog. „bio ad“ über den Äther. In seinem neuesten Spot webt er seine Lebensgeschichte (v.a. seine Zeit als Sozialarbeiter in Chicago) geschickt in die Sorgen und Nöte der Menschen in Zeiten der aktuellen Wirtschaftskrise ein. Wieder einmal ein grandioser Spot vom Team Obama, der seine Positionen geschickt austrahiert zwischen ökonomischem Populismus und förderndem Sozialstaat.
McCain entdeckt YouTubeDienstag, 8. Juli 2008
Die McCain-Girls haben die YouTube-Charts bereits seit Monaten erobert, seit einigen Tagen entdeckt auch John McCains Kampagne den Reiz des Video-Kanals.
Das Straight Talk Express-Video stellt einen der Tour-Busse vor, mit denen John McCain und sein Team wie eine Rock-Band durchs Land ziehen und zu seinen Wahlkampfveranstaltungen reisen. Einem kurzen Small-Talk mit dem Busfahrer, der schon zur „Familie“ gehört, folgt eine Besichtigung des Innenlebens. Küche, WC, Duschkabine ... es geht zu wie beim Campingurlaub, wenn John McCain sich auf den Weg macht, um mit den Menschen zu sprechen. Als weiteres intimes Detail wird Einblick unter die Motorhaube gewährt: 550 PS hat die Kampagne. Die Idee ist einfach und gut. Ein sportlicher Mitarbeiter im frisch gebügelten Hemd präsentiert den polierten, nicht minder sportlich wirkenden Straight Talk Express. Ohne großen technischen Aufwand wird eine persönliche Ebene aufgebaut und mit exklusiven Bildern eine neue Nähe zu John McCain hergestellt. Interessant ist auch, dass der nicht mehr ganz junge und athletische Kandidat selbst gar nicht in Erscheinung tritt. Sein Image wird über seine Mitarbeiter und die Volksnähe seines Gefährts generiert. Sicher bietet dieses Modell des Wahlkampf-Videos auch Anregung für deutsche Parteien, deren Wahlkampf-Budget nicht unbedingt ein professionelles Video-Team umfasst. Warum Obama Clinton nicht brauchtMontag, 7. Juli 2008
Es war eine schöne Veranstaltung in Unity, New Hampshire. Beide Kandidaten feierten ihre Einheit (und sich selbst). Obamas Schlips passte zu Clintons Hosenanzug, beide fielen sich in die Arme und lobten sich bis über den grünen Klee. Alles perfekt.
Beobachter dieser Szene stellten sich natürlich sogleich die Frage, ob die neue Eintracht auch ein Ticket Obama-Clinton zeitigen könnte. Einiges würde für dieses Traum-Duo sprechen. Unter anderem könnte Hillary Clinton die obamafernen Wählerschichten zurück in die Partei bringen und dem Ticket eine deutliche Prise politische Erfahrung beigeben. Mir stellte sich allerdings eine andere, eher ketzerische Frage: Braucht Barack Obama Hillary überhaupt noch? Erstens: Die demokratischen Hillary-Wähler sammeln sich schon jetzt hinter Obama. Kürzlich fand eine Umfrage von NBC und Wall Street Journal heraus, dass Frauen, die in den Vorwahlen für Clinton gestimmt hatten, Obama klar gegenüber McCain favorisieren (61% zu 19%). Auch Hispanics stehen zu großen Teilen hinter der Kandidatur von Barack Obama, der in dieser Zielgruppe 30 Prozentpunkte vor John McCain liegt. Schaut man ganz allgemein auf die potenziellen Abweichler bei den Demokraten, die ihre Stimme John McCain geben wollen, so liegt diese Zahl unter 10%. Ein normaler Wert. Man sieht, dass die Partei sich schneller hinter ihrem Kandidaten vereinigt hat als angenommen. Sicher ist der harte Vorwahlkampf bei vielen nicht vergessen. Die Erinnerung an diese Zeit wird aber verblassen, sobald die inhaltlichen Gegensätze zu McCain deutlicher werden. Zweitens: Obama ist finanziell autark. Zwar traf er sich erst kürzlich mit den Top-Fundraisern der Clinton-Kampagne in Washington, DC. Dies war aber eher dem Anstand gegenüber Hillary gezollt und deutete weniger auf den Bedarf an einer kräftigen Geldspritze hin. Obama hat ein unglaubliches Netzwerk von über 1,5 Millionen Kleinspendern aufgebaut. Diese grasverwurzelte Geldmaschine wird ihn mit genügend finanziellen Ressourcen bis zum Wahltag am 4. November versorgen und ihm das Image des volksfinanzierten Kandidaten verleihen. Clintons Edelgeldgeber stören da nur. Drittens: Hillary Clinton und ihr Mann Bill, mit dem sich Obama inzwischen ausgesprochen hat, sind gute Wahlkämpfer. In bestimmten Gegenden der USA werden sie einen wichtigen Beitrag dazu leisten, Arbeiter, Kleinstädter und Senioren von Obama zu überzeugen. Insgesamt möchte Barack aber ein neuer, anderer Kandidat sein, der gegen den Status Quo in Washington kämpft. Für diesen Status Quo stehen die Clintons jedoch wie kaum eine andere Politikerfamilie. Sie wecken Erinnerungen an eine Zeit der politischen Grabenkämpfe und Skandale, die Obama weit hinter sich lassen möchte. Mein Rat an Obama: Mach Dein (eigenes) Ding! Sie entscheidet die WahlMontag, 7. Juli 2008
Lange Zeit dachten Wahlstrategen, dass eine Frau zum ersten Mal in der Geschichte die US-Präsidentschaftswahl entscheiden wird, doch dann war Hillary Clinton endgültig aus dem Rennen. Nun wird sie die Wahl entscheiden: Michelle Obama. Das Land scheint reif für einen schwarzen Präsidenten. Aber ist es auch reif für eine schwarze First Lady?, fragt die New York Times. "Miss Mut" nennt die Süddeutsche ZeitungMichelle Obama in dieser Woche und trifft damit die Ambivalenz ihrer Erscheinung auf den Punkt. Mutig ist sie, denn bei ihren zahlreichen Wahlkampfauftritten überschreitet die erfolgreiche Anwältin, die in Princeton und Harvard studierte, das bisherige Repertoire der First Lady bei weitem. Sie spricht aus, was viele – besonders schwarze Arbeiter – denken; dass Amerika von der Angst regiert wird, dass Menschen um das nackte Überleben kämpfen und sich dabei einsam fühlen. Mit dieser schonungslosen Kritik übertrifft Michelle Obama selbst die politischen Reden, mit denen Hillary Clinton im Wahlkampf ihres Mannes mitmischte. Ganz zu schweigen von Laura Bush oder Nancy Regan, die sich eher die Zunge abgeschnitten hätten, als so über ihr Heimatland herzuziehen.
Missmutig reagieren nun die Republikaner, die sich nichts mehr wünschen, als dass Michelle Obamas Unbeliebtheit auf ihren Mann abfärbte. Daran arbeiten Fox News und andere auch schon kräftig. Als Michelle Obama einmal sagte: „Ich bin dank meines Mannes zum ersten Mal stolz auf unser Land“, wurde sie kurze Zeit später in Fernsehspots als Vaterlandsverräterin denunziert. Außerdem tauchte ein Film auf, in dem Michelle Obama ihren Mann als „my baby’s daddy“ bezeichnet. Daraufhin betitelte Fox News Barack Obama tagelang als „Baby Daddy“, eine rassistische Anspielung auf schwarze Männer, die keine Verantwortung für ihre Kinder übernehmen. Bis zum 4. November werden noch viele republikanische Spots voller Hass und Häme im Fernsehen laufen. Währenddessen wird Cindy McCain, ehemalige Rodeoqueen, Cheerleaderin und Tablettenabhängige, die ihren Reichtum einem Brauereiimperium verdankt, wie Prinzessin Diana Waisenkinder in Bangladesh besuchen und als blonder Medienliebling auf den Titelseiten erscheinen.
Obama in Berlin?Donnerstag, 3. Juli 2008
Bisher waren es nur Gerüchte. Jetzt bestätigt sich, dass Barack Obama im Sommer nach Deutschland kommt. Die Europareise wird ihn nach Berlin, Paris und London führen. Ein weiterer Trip in den Nahen Osten (Irak, Jordanien, Israel) ist bereits geplant.
Ziel der Übung ist es, sich in Informationsgesprächen mit Regierungschefs außenpolitische Kompetenz zu erwerben. Wichtiger als die Gespräche sind aber sicherlich die Bilder, die die Treffen mit Merkel, Sarkozy oder Brown an die Heimat senden werden. Gepaart mit kräftigem Massenjubel der Europäer wird die gewünschte Symbolik produziert: Barack Obama kann sich auf internationalem Parkett bewegen; er ist ein geschätzter, begeisternder, versierter Politiker, der das Image der USA nach acht Jahren Bush-Präsidentschaft wieder restaurieren wird. Dass Obama noch vor dem Nominierungsparteitag im August seine Auslandsreisen antreten will, verdeutlicht, wie ernst er die Umfragen nimmt, die ihm immer wieder bescheinigen, dass er als Person und Politiker zwar gemocht wird, es aber erhebliche Zweifel an seiner politischen Erfahrung und Führungsstärke gibt. In einer kürzlich veröffentlichen Umfrage von Washington Post und ABC News gaben lediglich 26% der Befragten an, dass Obama die nötige Erfahrung für das Präsidentenamt mitbringt. Nur 27% bezeichneten ihn als guten militärischen Führer. Obama kann deshalb auf der geplanten Europa-Tour nur gewinnen. Ob dasselbe auch für die deutschen Politiker gilt, mag bezweifelt werden. Sicher würde es Angela Merkel, Kurt Beck oder Guido Westerwelle gut tun, sich im Lichte des populären Kandidaten zu sonnen. Ein Auftritt mit dem Politstar könnte die heimischen Wähler aber auch daran erinnern, dass ein Politiker vom Formate Obamas in Deutschland weit und breit nicht in Sicht ist. Die Macht des TeamsMittwoch, 2. Juli 2008![]() Einen Tag der choreografierten Einheit nannte die New York Times den ersten gemeinsamen Auftritt von Hillary Clinton und Barack Obama. Nicht nur ihre Äußerungen, ihre Mimik, Gestik, Körpersprache, auch ihre Outfits waren an diesem Tag auf einander abgestimmt. „Unity is not only a beautiful place, it’s a wonderful feeling isn’t it?“ sagte Hillary Clinton und fügte an: „ I know what we start here in this field of unity will end on the steps of the Capitol when Barack Obama takes the oath of office.“ Mit diesen Worten lagen sich die vorherigen Rivalen in den Armen und winkten der jubelnden Menge zu. Was deutschen Beobachtern vielleicht unglaubwürdig erscheinen mag, scheint dennoch zu funktionieren. Zahlreiche „Hillary“- Plakate und –Rufe ragten aus der Menge. Die Demokraten sind noch gespalten in Hillary- und Obama-Fans. Um Clintons-Anhänger nicht an McCain oder die Passivität der Nicht-Wähler zu verlieren, muss Obama auf Einheit mit seiner vormaligen Konkurrentin setzen. Dabei geht es besonders um die Stimmen der weißen männlichen Arbeiterschaft, die bislang nur Clinton gewann. Vielleicht ist es auch gar nicht möglich einen Kandidaten so divers zu präsentieren und zu verbiegen, dass er allen Wählergruppen entspricht – ein Problem, das auch deutsche Kandidaten wie Kurt Beck teilen. Ein Blick auf Barack Obamas iPod-Playlist, die gerade in der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht wurde, zeigt dies:
Doch gerade diese weiße Arbeiterschicht und ihre musikalischen Vorlieben könnten wahlentscheidend sein. Die Ignoranz dieser Musikkultur wird von der Süddeutschen Zeitung als mutig empfunden. Es sieht ganz so aus, als würde Hillary Clinton demnächst ihre Vorliebe für Country-Musik bekannt geben... „I’m voting like I never voted before...“Dienstag, 1. Juli 2008
Erinnern Sie sich an den Film Flashdance mit dem Song „Maniac“? „She’s a maniac on the floor – and she’s dancing like she’s never danced before“ Jetzt sind die McCain Girls zurück und tanzen in ihrem Video McCainiac
wie nie zuvor. Mit dieser satirischen Interpretation des Flashdance-Vorbilds, kehren die McCain Girls zurück. Durch „It’s Raining McCain“ haben sie bereits in den Vorwahlen großen Ruhm und fast 2 Millionen Klicks auf YouTube erreicht. Sie gelten als die konservative Antwort auf das Obama Girl, das im März 2007 das Genre des Polit-Musik-Videos einführte. Während Obama Girl im Pinup-Look und mit eingängiger Musik auftritt, besteht bei den McCain Girls keine Verwechslungsgefahr mit den üblichen Pop-Stars, im Gegenteil - sie persiflieren diesen Stil. Die Autorenschaft, so klärte kürzlich die New York Times, liegt bei dem Comedy-Team, das hinter der Website 23/6 steckt. Auch wenn sie in ihrem aktuellen Video „Vote McCain“ singen und wispern, so sind sie nicht als eindeutige McCain-Fans zu verstehen. Sie gestalten die Bildsprache und Liedtexte konsequent so ambivalent, dass der Betrachter nicht zwischen Ernst und Ironie zu unterscheiden vermag. Spätestens in der Schluss-Sequenz des Videos wird dies offenbar, denn mit Augenklappe und Armprothese mutiert McCain zur Rakete. In dieser Konfrontation von Tänzerin und Robotor wird gleichsam das Spiel von Vitalität und Morbidität auf die Spitze getrieben.
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