Am vergangenen Montag habe ich über das Celebrity-Video von John McCain berichtet, das Barack Obama in einer Reihe mit Stars wie Paris Hilton zeigt, um am Ende zu fragen: „Is he ready to lead?“ Das Video kritisiert außerdem Barack Obamas Energiepolitik, die Off-Shore-Bohrungen nach Öl ausschließe. Da Bilder von Paris Hilton offenbar ohne ihr Einverständnis in den Wahlkampfsspot geschnitten wurden, meldet sich das It-Girl nun in einem eigenen Video zu Wort, das auf der Website Funny or Die veröffentlicht wurde. Darin nennt sie McCain den ältesten Cebrity Amerikas und untermalt ihre Beobachtung mit wenig schmeichelhaften Bildern.
Ihre Mutter Kathy Hilton hatte bereits am Sonntag in der Huffington Post verkündet, dass sie von McCains Celebrity Video nichts halte:
"I've been asked again and again for my response to the now infamous McCain celebrity ad. I actually have three responses. It is a complete waste of the money John McCain's contributors have donated to his campaign. It is a complete waste of the country's time and attention at the very moment when millions of people are losing their homes and their jobs. And it is a completely frivolous way to choose the next President of the United States."
Es wäre nun interessant zu hören, wie sie das Video ihrer Tochter beurteilt. McCains Pressesprecher Tucker Bounds hat das Video, das seinen Kandidaten nicht gerade ins beste Licht stellt, bereits gegenüber der TMZ kommentiert. Er meint, dass Hilton den gleichen Ansatz zur Lösung der Energiekrise forciere wie John McCain und fügt an, sie hätte den besseren Energieplan als Barack Obama.
... mit diesen Worten beginnt der neue Obama Fernsehspot, der Grassroots-Organisation Move On, mit dem nun besonders junge Wähler angesprochen werden sollen.
Ein wenig Besorgnis erregend klingt die Message im ersten Moment. Junge Menschen flüstern sich zu „.. ich hab’s von ihr, aber es könnte jedem passieren...“ Der „Virus“, der zwischen ihnen umgeht, heißt „Hoffnung“. Denn sie reden von Barack Obamas „Message of Hope“, die sie in den letzten acht Jahren bereits aufgegeben hatten. Am Ende steht ein ausgeschlüpftes Küken als Symbol für das mit Hoffnung infizierte Gehirn. Diese Sequenz spielt auf eine Kampagne gegen Drogenkonsum an, die in den späten Achtzigern im US-Fernsehen zu sehen war.
Das Video „It could happen to you“ ging als der witzigste Beitrag aus dem Move On Videowettbewerb „30 Seconds for Obama“ hervor. Unter anderen wirkten die Fernseh-Schauspieler Rider Strong, bekannt aus “Boy Meets World”, und Amber Benson aus “Buffy the Vampire Slayer“ an dem Video mit, das nun ganz zielgruppengerecht auf den Sendern MTV und Comedy Central ausgestrahlt wird. Es gilt als Reaktion auf das Video der konservativen Gruppe „Let Freedom Ring“, das Barack Obama als Flip-Flopper bezeichnet. Der Musikkanal MTV bestätigte, dass er in seiner 27-jährigen Geschichte nun erstmals politische Werbung sendet.
Die konservative Bloggerin Michelle Malkin war wie, viele andere Anhänger der Republikaner, von dem Spektakel um Obamas Weltreise verärgert. Deshalb rief sie auf ihrem Blog zu einem T-Shirt Wettbewerbauf, der zeigen soll, was die Konservativen von Obamas Auslandsreise halten. Die Gewinner des Wettbewerbs präsentierte Michelle Malkin bei Fox News (Das Thema beginnt ab Min. 1:24):
Viele Teilnehmer entwarfen Motive, die Obamas messianische Inszenierung mit einem Lichtkranz, wie man sie auf seiner Website findet, persiflieren. So zeigt ein T-Shirt Obama als Lichtgestalt im Kleid eines Engels. Ein weiteres Beispiel stellt ihn als Narziss dar. Ein anderes Design zeigt Barack Obama, wie er auf einem fliegenden Teppich auf Weltreise geht. Erstaunlich, dass dieses Bild noch keinen Karikaturenstreit in den USA ausgelöst hat, denn auch in dieser Abbildung wird das “andere” das “exotische” des Kandidaten hervorgekehrt.
Politische T-Shirts spielen im Wahlkampf der Konservativen auch jenseits des Wettbewerbs eine große Rolle. Und neben den offiziellen Kampagnen T-Shirts gibt es eine breite Palette. Auf der Website thoseshirts.com findet man nicht nur witziges, sondern auch Slogans, die ganz und gar nicht political correct sind.
Die Bilder von Barack Obama vor der Siegessäule in Berlin sind uns noch in wacher Erinnerung. Vor allem die 200.000 Zuschauer haben den Eindruck von Obama als Pop-Star hinterlassen, der zunehmend das Image des charismatischen US-Präsidentschaftskandidaten prägt. Dieses Image zu demontieren, hat sich John McCain zum Ziel gemacht. Er benutzt Bilder des Obama-Auftritts in Berlin, um Anti-Campaigning zu betreiben. In einem offiziellen TV-Spot der McCain Kampagne werden die Bilder aus Berlin gezeigt und mit dramatischer Filmmusik unterlegt. Während eine Off-Stimme verkündet “He is the biggest Celebrity in the World”, wird noch ein Bild von Paris Hilton dazwischen geschnitten, um den Politiker in die Riege der Nonsense-Stars zu reihen. Dann folgt die rhetorische Frage der Republikaner: “But is he ready to lead?”
Die Frage “Is he ready to lead” wird auch in dem offiziellen McCain Internet-Spot “One”
gestellt, der Obamas Rhetorik der Einheit auf die Schippe nimmt und sich über die messianische Sprache des Kandidaten mokiert: “Do you see the light?” Alle Berliner, die sich in den letzen Tagen auf den Titelblättern der Zeitungen wähnten und sich in den Fotos der Menschenmenge gesucht und eventuell gefunden haben, können nun in John McCains “Celebrity” Video weiter recherchieren. Wer sogar von der amerikanischen “Presse” zu Barack Obama befragt wurde, taucht eher in dem TV Spot “Obama Hasselhoff 2008” auf, das nicht nur Obama, sondern auch die Berliner durch den Kakao zieht. So berichtet ein Befragter, dass seine “marxistischen Freunde” in den USA Obama unterstützen. Ein anderer zieht einen Vergleich zu Che Guevara.
Die Ästhetik des Videos nimmt Bezug auf den Lichtkranz, der zum Bildrepertoire der Obama-Kampagne gehört, und mixt ihn mit flackernden Neonfarben und Techno-Sound. Außer dem Image von Berlin als Zentrum der Techno-Szene, wird mit der Vorliebe der Deutschen für David Hasselhoff gespielt, die auf Amerikaner sehr komisch wirkt. Für die Schlussszene wurde noch Leonardo di Caprio ausgegraben, der in dem Film “Titanic” am Schiffsbug steht – in diesem Fall wurde Obamas Kopf auf den Promi-Körper montiert, er ruft: “I am king of the world!”
Schlechte Nachrichten ist die Republikanische Partei ja gewöhnt. Als am Mittwoch allerdings bekannt wurde, dass Senator Ted Stevens aus Alaska der Vorteilsnahme in sieben Fällen angeklagt worden war, machte sich Alarmstimmung breit.
Die Meldungen über Stevens weckten Erinnerungen an die Kongresswahlen im Jahr 2006, als die Grand Old Party (GOP) weniger mit Inhalten, sondern vielmehr mit Korruptions- und Skandalfällen auf sich aufmerksam machte und eine frustrierte Wählerschaft die Demokraten in beiden Häusern des Kongresses zur Mehrheitspartei erkor.
2008 sieht es im Senat ähnlich verheerend für die Republikaner aus wie vor zwei Jahren. Neben Stevens´ Mandat in Alaska muss die GOP weitere 22 Sitze verteidigen, davon vier höchst prekäre Rennen in Virginia, New Mexico, Colorado und New Hampshire, also in Staaten, die schon seit längerer Zeit Richtung Demokraten tendieren.
In der Tat könnte die Demokratische Partei die magische Zahl von 60 Sitzen im Senat erreichen, die es ihr erlauben würde, mögliche Filibuster abzuwehren. Filibuster sind eine besondere Form der Obstruktionspolitik. Jeder Senator hat die Möglichkeit, die Beratung über ein ihm missliebiges Gesetz aufzuhalten. Diese Form des legislativen Vetos kann der Senat nur mit einer sog. „cloture vote“ von mind. 60 Stimmen aufheben. Auch Hillary Clinton wünscht Barack Obama eine solche Super-Mehrheit, wie sie kürzlich in einer E-Mail an Unterstützer des Democratic Senatorial Campaign Committee (DSCC) deutlich machte.
Die Republikaner kämpfen allerdings mit allen Mitteln um ihr Amt. Wüsste man es nicht besser, so könnte man denken, Oregons republikanischer Senator Gordon Smith sei ein Obama-Demokrat. Smith ist seit Tagen mit seinem Spot „Truth“ auf Oregons TV-Kanälen zu sehen, in dem er für seine enge Zusammenarbeit mit Barack Obama gepriesen wird. Sehen Sie selbst: