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Waschzettel für McCainMittwoch, 3. September 2008
„Gustav“ mischte den Parteitag der Republikaner weniger auf als befürchtet. Da sorgte schon eher die Nachricht für Unruhe, dass die 17-jährige Tochter von John McCains Vizekandidatin Sarah Palin schwanger UND unverheiratet ist. Aber auch dieser mediale Sturm im Wasserglas wird schnell abziehen.
So geht die Show nach dem ursprünglichen Fahrplan weiter. Präsident Bush, formal immer noch der Führer der Partei, sprach gestern per Video-Schalte zu den Delegierten, direkt aus dem Weißen Haus. Besser hätte es für John McCain nicht laufen können. So wenig Bush wie möglich, so lautet die heimliche Maxime. Der parteilose Senator Joe Lieberman trat auf und pries seinen langjährigen Freund für dessen politische Verdienste und Überparteilichkeit. Schauspieler-Politiker Fred Thompson hatte ein paar launige Attacken gegen Obama und die Demokraten im Gepäck. Heute spricht Sarah Palin. Morgen steht dann die mit Spannung erwartete Rede von John McCain auf dem Programm. Wir wollen einen Ausblick auf die wichtigsten Botschaften geben, die McCain kommunizieren wird: 1) ICH BIN DER ECHTE REFORMER: McCain verspricht den SICHEREN politischen Wechsel und stellt Obama als zu gewagte Variante des Wandels heraus. "Change you can trust" könnte sein Motto lauten im Gegensatz zu Obamas "change you can believe in". 2) ICH BIN UNABHÄNGIG. McCain wird sein Image des unabhängigen Politikers weiter kultivieren. Das Motto heißt: „I am my own man“. Obwohl er nur in wenigen Punkten von der Politik George W. Bushs und vom republikanischen Mainstream abweicht, hat McCain die Aura des Mavericks nicht verloren. Diese Ausrichtung ist sexy. Wir lieben Politiker, die unabhängig und authentisch sind, die sich nicht von der eigenen Partei, von Umfragen oder von Medien leiten lassen. 3) ICH BIN BEREIT FÜR POLITISCHE FÜHRUNG. McCains langjährige Politikertätigkeit ist ein Nachteil, weil sie impliziert, dass er schon zu lange Teil des Establishments ist. Er kann sie aber in einen Vorteil umwandeln, wenn er sie mit Obama kontrastiert, ihn also als politisches Leichtgewicht hinstellt und die simple Frage stellt: „Who is ready to lead?“ Was hat sie, was er nicht hat?Dienstag, 2. September 2008
Sie ist jung, extrem konservativ und technikfreundlich - damit kompensiert sie alle Defizite John McCains. Aber die Clinton-Anhänger wird Sarah Palin nicht in ihr Lager ziehen.
Der 72-jährige John McCain hat im Wahlkampf stark mit seinem Alter zu kämpfen. Nicht, dass er sich als schwach und gebrechlich erweisen würde. Dennoch wird ihm Skepsis entgegengebracht und die Sorge, er könne das Ende der Amtszeit nicht mehr erleben. Umso wichtiger ist, dass seine Vize im Falle eines Falles sofort das Präsidentenamt übernehmen könnte. Das kann man beim besten Willen nicht über Palin sagen. Die 44-jährige Sarah Palin ist nicht nur jünger als Barack Obama, sondern auch unerfahrener. Sie bringt weniger als zwei Jahre Erfahrung als Gouverneurin von Alaska mit, einem Staat mit weniger als einer Million Einwohner. Die Zielgruppe der evangikalen Rechten begrüßt Palin uneingeschränkt. Sie bezeichnet sich selbst als konservative Republikanerin und bezieht zu den Wertefragen Abtreibung und Stammzellenforschung wesentlich klarer Stellung als John McCain. Selbst James Dobson, einer der Führer der christlichen Rechten und bisheriger McCain-Gegner, kündigte an, er könne nun doch einen republikanischen Präsidenten wählen. An Glaubwürdigkeit mangelt es ihr wahrlich nicht, Sarah Palin lebt die konservativen Werte, denn sie ist selbst Mutter von 5 Kindern und ihr jüngstes Kind leidet am Down-Syndrom. Selbst die 17-jährige Tochter, die soeben für Schlagzeilen sorgte, weil sie im im 5. Monat schwanger ist, wird nun heiraten und das alte Ordnungsmodell wieder herstellen. Was Technikfreundlichkeit und Offenheit für das Internet betrifft, so ist Sarah Palin McCain weit voraus. Das jedenfalls berichtet die Bloggerin Nancy Scola auf der Website von TechPresident. Demnach hat Sarah Palin sich für Alaska's Check Book eingesetzt, eine Website, die staatliche Aufträge und Geschäfte transparent macht. Palin scheint moderner Technologie auch im Alltag zugetan, zumindest der, die man in die Hosentasche stecken kann. Auf dem Foto ist die Kandidatin für das Vizepresidentenamt mit ihrem wenige Wochen alten Sohn in der einen und einem Mobiltelefon in der anderen Hand, während das Blackberry vor ihr liegt. Wie hierzulande Ursula von der Leyen gelingt es Sarah Palin, Karriere und ein konservatives Mutterbild zu vereinen. Doch sie ist keine Hillary Clinton, die auch die Kompetenz für das Präsidentenamt mitbringt. Allein deshalb dürfte McCains Rechnung nicht aufgehen, die gender-motivierten Hillary-Unterstützer mit Sarah Palin auf seine Seite zu ziehen. Montag, 1. September 2008
Exakt drei Jahre nach dem verheerenden Wirbelsturm Katrina trifft nun wieder ein Hurrikan die Küste Louisianas. „Gustav“ bringt nicht nur das Leben der ca. 2 Millionen Menschen durcheinander, die vor dem Sturm geflohen sind, sondern auch den Terminkalender der Republikaner.
Oberflächlich betrachtet ist „Gustav“ ein Desaster für John McCain. Zum einen ist die Choreographie des Parteitages in St. Paul völlig durcheinander geraten. Es sollte eine große Show werden. Kameraeinstellungen, Redebeiträge, Zeremonien, sie alle waren minutiös geplant. Keiner weiß zurzeit, wie der Parteitag ablaufen wird. Der erste Tag ist zumindest schon einmal zusammengestrichen worden. Zum anderen weckt Hurrikan Gustav natürlich Erinnerungen an das Desaster vor drei Jahren, als Katrina die Dämme New Orleans zum Bersten brachte und mehr als 1.800 Menschen ihr Leben verloren. Auch wenn die lokalen und einzelstaatlichen Behörden vor Ort einen erheblichen Anteil an der Katrina-Misere hatten, so ist die Krise doch bis heute das Symbol für die Inkompetenz George W. Bushs und seiner Administration. Sie war der Anfang vom endgültigen Vertrauensverlust zwischen dem amerikanischen Volk und seinem Präsidenten. Auf den zweiten Blick kann der Wirbelsturm John McCain aber politisch nützen. Erstens war der politische Haudegen einer der größten Kritiker der Bush-Administration, als sich zeigte, wie schlecht die Hilfe für die Menschen vor Ort organisiert war. McCain zeigte damals viel Mitgefühl, er hat die Region aber auch während seines jetzigen Wahlkampfes schon intensiv bereist. Das erhöhte seine Glaubwürdigkeit, als er am Wochenende nach Louisiana kam, um sich ein Bild von der Lage im Krisengebiet zu machen. McCain gab eine Pressekonferenz, die schon fast den Eindruck vermittelte, er sei bereits der Präsident der USA, der die Sicherheit der amerikanischen Bevölkerung sicherstellen wollte. Zweitens: Reagiert McCain richtig auf den Sturm, richtet er seine Nominierungsrede an den konkreten Sorgen und Nöten der Menschen in der Hurrikane-Zone aus, schafft er nationalen Zusammenhalt, steht er über der Parteipolitik, dann bestätigt er seine Kampagnenbotschaft des „America First“. McCain hat die Chance zu zeigen, dass es ihm um das Wohl des Landes geht, um politisches Zupacken und nicht um die Show. So würde Barack Obamas perfekter Parteitag als oberflächliche Krönungsmesse wirken, seine eigene Nominierung hingegen als handfestes politisches Problemlösen mit einem großen Schuss Empathie. Drittens nimmt der Sturm McCain den Druck, eine ebenso gute Rede abliefern zu müssen wie Obama. In einer Woche wie dieser geht es nicht um Rhetorik, sondern um handfeste Politik. Auch wird Gustav der Politnovizin Sarah Palin helfen. In den ersten zwei Wochen nach der Bekanntgabe wäre jedes Wort der Vizekandidatin auf die Goldwaage gelegt worden. Die Presse hätte viele mediale Fallen aufgestellt, in die der Neuling sicher das ein oder andere Mal hinein getreten worden wäre. In der jetzigen Situation kann sich die Gouverneurin jedoch als das darstellen, was sie ist. Eine bodenständige Krisenmanagerin. Viertens erlaubt es „Gustav“, dass George W. Bush und Dick Cheney nicht auf dem Parteitag sprechen werden. In einer Zeit, in der die Umfragewerte der beiden Regierungschefs gegen null tendieren, ist dies ein nicht zu unterschätzender Vorteil. McCain und Palin wollen sich als Reformer und nicht als Status-Quo darstellen. Ohne Bush geht das sicherlich besser. Alles in allem muss der Hurrikane kein politisches Desaster für die Republikaner sein. So zynisch diese Feststellung auch sein mag: Wenn sie es richtig angehen, dann wird „Gustav“ sogar zum Erfolgsgehilfen für das Duo McCain/Palin. Hier ein Auftritt von John McCain auf Fox:
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