Kandidaten sind Frühaufsteher. Sie kommen mit drei bis vier Stunden Schlaf aus, ohne allzu übermüdet auszusehen. Wenn Hillary Clinton jedoch morgens um 5.30 Uhr zur Frühschicht an den Toren der Chrysler-Fabrik in Toledo (Ohio) steht, dann weiß man, dass der Vorwahlkampf seine heiße Phase erreicht hat.
Heute wird abgestimmt in Ohio, Texas, Rhode Island und Vermont. Das Rennen ist gewohnt knapp. Seit Tagen spekulieren die Experten, ob Clinton ihre Kandidatur beenden wird, wenn sie in beiden großen Vorwahlstaaten (Ohio und Texas) verliert. Die Ex-First Lady reagiert auf solche Spekulationen gelassen. Sie sagte gestern demonstrativ: „Ich laufe mich gerade erst warm.“
In der Tat ist eine echte Wahlkampfschlacht ausgebrochen, mit allen Finessen und Tricks, die der US-Wahlkampf hergibt. Hillary Clinton gibt sich alles andere als geschlagen, sie geht weiter in die Offensive, sie kämpft um ihr politisches Überleben. In den vergangenen Tagen erhöhte sie den Druck auf Barack Obama. Er musste sich einiger Vorwürfe erwehren, die ihm so kurz vor den Abstimmungen durchaus schaden könnten.
Erstens richtete die Clinton-Kampagne den Blick auf Obamas Tätigkeit im Senat. Er hatte im letzten Jahr den Vorsitz eines Ausschusses übernommen, der die Kampfhandlungen in Afghanistan und deren Auswirkungen auf das Militär untersuchen sollte. Peinlich für Obama: Es fand nicht eine einzige Sitzung statt, da der junge Senator aus Illinois zu sehr mit seinem eigenen Wahlkampf beschäftigt war. Hier ein Spot, den Clinton dazu in Ohio und Texas geschaltet hat:
Zweitens versuchen Clinton und ihr Team, die Beziehungen zwischen Obama und dem dubiosen Chicagoer Immobilienmakler Antoin Rezko öffentlich zu machen. Rezko ist in einen prekären Korruptionsskandal in Ohio verwickelt. Pech für Obama: Rezko hat für Obama mehr als 150.000 Dollar an Spenden eingesammelt und ihm ein Grundstück in guter Lage in Chicago veräußert.
Drittens brach am Wochenende eine Kontroverse um Aussagen des Obama-Beraters Austan D. Goolsbee aus. Goolsbee ist Wirtschaftsprofessor an der University of Chicago und steht Obama als Ideengeber für makroökonomische Fragen zur Seite. Laut eines Memos, das der Associated Press vorliegt, soll er in Gesprächen mit kanadischen Botschaftsangehörigen angedeutet haben, dass Obamas kritische Position zum Freihandelsabkommen NAFTA in erster Linie politisch motiviert sei. Er versicherte seinen Gesprächspartnern, dass Obama als Präsident nicht der Protektionist sein werde, als der er sich in Ohio gerade gibt.
Obamas Kampagne kämpft professionell gegen diese Anschuldigungen. Die Krisen-PR läuft auf Hochtouren. Es ist heute nicht abzusehen, ob diese Themen eine Rolle bei der Wahlentscheidung spielen werden. Effektiver ist da schon Hillary Clintons TV-Spot, den sie seit einer Woche in Ohio und Texas ausstrahlen lässt. Er richtet den Blick auf die eigentliche Achillessehne Obamas: seine fehlende politische Erfahrung. Im dem Spot „3 a.m.“ wird explizit darüber spekuliert, wer der bessere Commander-in-Chief, der bessere Beschützer der Amerikaner in Zeiten nationaler Krisen ist.
Hillary Clintons Stratege Mark Penn vermeldet, dass dieser Spot die Umfragewerte für seinen Schützling positiv beeinflusst habe. In der Tat sieht es in den letzten Umfragen so aus, als ob Clinton noch einmal die politische Reißleine ziehen kann. Falls es Obama aber gelingt, einen der beiden großen Vorwahlstaaten zu gewinnen, dann entsteht ein extremer Druck auf Hillary Clinton, ihre Kandidatur zu beenden. Wir sind gespannt!
Unter amerikanischen Bloggern löste das Video eine Kontroverse aus, ob Clintons Team Obama eventuell schwärzer dargestellt hat als er ist...
Hillarys Pressestelle hält das für eine Unverschämte Unterstellung und die eigentlich rassistische Kampagne so einen Verdacht zu äußern.
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Hillarys Pressestelle hält das für eine Unverschämte Unterstellung und die eigentlich rassistische Kampagne so einen Verdacht zu äußern.
http://blog.wired.com/27bstroke6/2008/03/did-the-clinton.html
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