Heute Morgen erreichte mich eine E-Mail von David Plouffe, seines Zeichens Kampagnenmacher von Barack Obama. Der Titel „The Math“. Plouffe rechnete mir vor, dass Hillary Clinton, ganz nüchtern betrachtet, nur schlappe 4 Netto-Delegiertenstimmen am Dienstag dazu gewinnen konnte. Er beschuldigte Clinton, eine verzweifelte Negativkampagne gegen Obama zu führen („She wants to continue an increasingly desparate, increasingly negative campaign to tear us down“).
Es ist interessant, dass die Obama-Kampagne zur Zeit ganz auf nüchterne Mathematik setzt. Das will nicht so recht passen zur messianischen, visionären Rhetorik, mit der der junge Senator bisher die Massen begeistert hat. Natürlich ist der Punkt, den Obama machen will, nicht von der Hand zu weisen. Nüchtern betrachtet war der Ausgang der Vorwahlen nicht überraschend. Vor vier Wochen lag Clinton in Ohio und in Texas noch mit bis zu 20 Punkten Abstand vor ihrem Herausforderer. Obama konnte erstaunlich aufholen. Fakt ist auch, dass Obama weiterhin mit mehr als 85 Delegiertenstimmen vor Hillary Clinton liegt. Um diesen Vorsprung aufzuholen, müsste sie die verbleibenden Vorwahlstaaten mit über 60 Prozent der Stimmen gewinnen. Das scheint nahezu unmöglich.
Wir wissen alle, dass bei PR und Wahlkampf selten kühle Fakten im Vordergrund stehen. Es geht um Spin, um Emotionen, um Erzählungen, um die Konstruktion einer bestimmten Wirklichkeit. Obamas Team hat selbst lange auf dieser Klaviatur gespielt. Im Moment ist es jedoch Clinton, die den Ton des Wahlkampfes angibt. In Zeiten einer drohenden Wirtschaftskrise und der republikanischen Kandidatur des Mr. Erfahrung, John McCain, fängt Obamas Meta-Kommunikation an, erstaunlich hölzern zu wirken. Obama befindet sich in der Defensive, gedrängt sowohl von Clinton als auch von McCain. Und just in diesem Moment zeigt sich einmal mehr, dass seine Kampagne Probleme hat, mit negativen (oder kontrastierenden) Angriffen umzugehen.
Obama ist ein redlicher Politiker. Er hatte die feste Absicht, eine positive Kampagne zu führen. Er wollte das übliche Hin und Her von Anschuldigung und Gegenanschuldigung nicht mitmachen. Er hatte sich vorgenommen, sich im Teflon einer nach Wandel und Hoffnung gierenden Wählerschaft zu kleiden, die ihn gegen die erwartete Schlammschlacht schützen würde.
Das Teflon ist rissig geworden. Obama muss aus der Defensive heraus. Einen ersten Schritt nach vorn ging er gestern, als er bei Journalisten pointiert nachfragte, in welcher außenpolitischen Krisensituation Hillary Clinton bisher eine handfeste Entscheidung treffen musste. Schweigen. Obamas Antwort: Sie musste über die Irak-Resolution abstimmen, die es Bush erlaubte, in den Krieg gegen Saddam Hussein zu ziehen. Wir wissen, wie sie sich entschieden hat.
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