Die Medien beschäftigen sich zur Zeit fast ausschließlich mit dem Duell Obama-Clinton, mit Superdelegierten und der Frage, ob die Vorwahlen in Florida und Michigan wiederholt werden sollten. Aber was macht eigentlich John McCain? Eigentlich könnte er sich ja erst einmal zurücklehnen und entspannt zusehen wie sich die Demokratische Partei autistisch mit sich selbst beschäftigt. Nichts dergleichen. John McCain und sein Team arbeiten intensiv daran, die Weichen für den Hauptwahlkampf zu stellen. Drei große Aufgaben stehen auf der To-Do-Liste des Senators.
Erstens: John McCain muss die Republikanische Partei hinter seiner Kandidatur sammeln. Dies ist ihm bisher gut gelungen. George Bush gab ihm den offiziellen Ritterschlag und nannte ihn einen „true conservative“. Mitt Romney gab ein öffentliches Endorsement für ihn ab. Die Spitzen der Republikaner im Kongress söhnten sich mit dem manchmal etwas heißblütigen Senator aus. Grover Norquist, Gralshüter des Steuerkürzer-Flügels der Partei, gab seine Opposition gegen McCain auf und fragte konzilliant: „How can we work together?“ Auch mit den (vermeintlichen) Sprachrohren der sozialkonservativen Bewegung konnte McCain ein Waffenstillstandsabkommen schließen. Die Erzengel der konservativen Medienmaschine wie Rush Limbaugh, Ann Coulter und James Dobson sinnieren nicht mehr breitenwirksam darüber, ob sie sich der Wahl enthalten sollten. Das böse A-Wort („abstain“) ist erst einmal aus ihrem öffentlichen Sprachgebrauch verbannt worden. Ob die konservative Basis sich jedoch mit John McCain aussöhnen wird, bleibt offen. Die Grand Old Party (GOP) könnte das SPD-Problem ereilen: Die unzufriedene Basis wechselt zwar nicht die Seiten, bleibt am Wahltag aber trotzdem zu Hause.
Zweitens: Der Vorwahlkampf hat gezeigt, dass die Republikaner zum ersten Mal in der jüngeren Geschichte ein eklatantes Fundraising-Problem haben. Bis Ende Januar diesen Jahres nahm John McCain spärliche 55 Millionen Dollar ein. Hillary Clinton schaffte hingegen 138 Millionen, Obama sogar 141 Millionen. McCain muss also in den nächsten Monaten zum Telefon greifen, um die einflussreichen Geldgeber der Partei zu vergewissern, dass er der beste Mann ist, um das Weiße Haus vor den Demokraten zu retten. Zudem muss er die Stars der Partei verpflichten, um mit ihm auf Fundraising-Tour zu gehen. Präsident Bush mag zwar wenig Rückhalt in der Bevölkerung haben, er ist aber immer noch die beste Geldmaschine der Republikaner. Veranstaltungen mit ihm spülen regelmäßig mehrere Millionen Dollar in die Kasse von Kandidaten und Parteiorganisationen. Apropos Parteien: McCain kann sich nun offiziell auf das Republican National Committee (RNC) stützen. Als einziges der drei nationalen Parteikomitees ist es nicht in finanziellen Schwierigkeiten. Das RNC hat bisher 97 Millionen Dollar einsammeln können, nahezu doppelt so viel wie sein Pendant, das Democratic National Committee (DNC). McCain kann sich also auf die Dienste der Partei verlassen, die auch in diesem Wahljahr wieder den Basiswahlkampf und das Wählertargeting für ihren Kandidaten organisieren wird.
Drittens: John McCain muss seine Kampagnenkommunikation auf den Hauptwahlkampf ausrichten. Dies läuft nach dem üblichen Schema ab. Zunächst stellt sich der Kandidat dem großen Wahlpublikum noch einmal persönlich vor. Geplant ist eine „national bio tour“, die McCain an die wichtigen Orte seines Lebens führen wird, wie etwa die US Naval Academy in Annapolis oder die Naval Air Station in Meridian, Mississippi, die nach seinem Großvater benannt ist. Danach folgen medienwirksame Reden zu innen- und außenpolitischen Themen, um sich auch inhaltlich zu positionieren. McCain machte zudem deutlich, dass er seine Kampagnenmethoden aus dem Vorwahlkampf beibehalten will. So oft und gut es geht will er mit seinem Straight Talk Express im Land unterwegs sein, um sich den Fragen der Wähler in sog. Town Hall Meetings zu stellen. Dass McCain in den derzeitigen Umfragen hinter den beiden Demokraten liegt, kommt ihm zu Pass. Der alte Polit-Fuchs ist immer dann stark, wenn er sich als Underdog und Außenseiter stilisieren kann. Dann ist er am glaubwürdigsten.
Trotz der verworrenen Vorwahlsituation finden die Demokraten Zeit, um erste Botschaften gegen McCain zu testen. Hier ein Web-Video, das das DNC kürzlich in die Internet-Rotation eingespeist hat:
Weniger nach Pussycat-Art war im Rahmen der Mississippi-Wahl das Manöver von Limbaugh-Republicans, die hier ca. 5% des Elektorats darstellten und weit überwiegend Clinton wählten.
Sie beteiligten sich an der offenen primary mit dem Ziel, damit den Demokraten zu schaden. Denn je geringer der Delegiertevorsprung von Obama am Ende ausfällt, je länger der Kampf zwischen Clinton/Obama dauert, umso besser für die Republikaner - vielleicht sogar mit einer gewissen Chance auf den wahltaktischen Hauptgewinn für die Republikaner verbunden, nämlich der Nominierung von Hillary Clinton.
Kommentare
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Dr. Dean, am März 12th, 2008 um 17:39 Gesagt:
(…)love and understanding, everwhere around(…)
Weniger nach Pussycat-Art war im Rahmen der Mississippi-Wahl das Manöver von Limbaugh-Republicans, die hier ca. 5% des Elektorats darstellten und weit überwiegend Clinton wählten.
Sie beteiligten sich an der offenen primary mit dem Ziel, damit den Demokraten zu schaden. Denn je geringer der Delegiertevorsprung von Obama am Ende ausfällt, je länger der Kampf zwischen Clinton/Obama dauert, umso besser für die Republikaner - vielleicht sogar mit einer gewissen Chance auf den wahltaktischen Hauptgewinn für die Republikaner verbunden, nämlich der Nominierung von Hillary Clinton.
Love and understanding - everywhere around.
Quelle: http://shiftingreality.wordpress.com/2008/03/12/aus-gegebenem-anlas-2/#comment-7221
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