Symbole sind in der Politik oft wichtiger als Worte. Das weiß auch Barack Obama. Und so trat er nicht irgendwo in den USA auf, um eine Rede über das schwarze und das weiße Amerika zu halten. Nein, er machte seine Ausführungen im National Constitution Center in Philadelphia, an der Wiege der Nation und seiner Verfassung, eingerahmt von der Mutter aller amerikanischen Nationalsymbole, den Stars and Stripes.
Obama war angetreten, um das Land zusammenzuführen. Er wollte kein Kandidat einer bestimmten Hautfarbe sein, weder schwarz noch weiß, weder Latino noch Asiate. Sein Thema war die Meta-Botschaft der Hoffnung, der Versöhnung, des Neuanfangs. Er vermied es als schwarzer Kandidat wahrgenommen zu werden, anders als Jesse Jackson oder Al Sharpton. Und doch ist Obama in den vergangenen Tagen in die Gräben gezogen worden, die Amerika bis heute manchmal offen, manchmal latent durchziehen. Den Anstoß gab ein Videoschnipsel mit Predigten von Obamas Pastor Jeremiah Wright, die auf YouTube und den nationalen Fernsehsendern rauf und runter gespielt wurden. In diesen Ausschnitten greift Wright sowohl die Regierung und als auch die weiße Gesellschaft in den USA direkt an: „God damn America for killing innocent people. God damn America for treating us as citizens that are less than human.”
Barack Obama, der sich von Pastor Wright trauen und seine Kinder von ihm taufen ließ, der Wright in seinen Beirat zu religiösen Fragen aufgenommen hatte, musste auf diese Kontroverse reagieren. Und er tat es. Seine Rede „A More Perfect Union“ spielte perfekt auf der Klaviatur seiner Kampagnenbotschaft der Hoffnung und des Wandels, ohne jedoch das kritische Thema des schwarz-weißen Splits der Gesellschaft schön zu reden. Er distanzierte sich von den Aussagen des Pastors, ohne sich von der Person Jeremiah Wright zu lösen. Als Sohn eines Austauschstudenten aus Kenia und einer weißen Amerikanerin aus Kansas nahm er die Zuhörer ohne Anklage und Bitterkeit mit in die Lebenswelten der schwarzen und weißen Amerikaner, nur um sie dann aufzulösen in der nationalen Erzählung des „E Pluribus Unum“. Hier ein Zitat aus seiner Rede:
„The comments that have been made and the issues that have surfaced over the last few weeks reflect the complexities of race in this country that we´ve never really worked through – a part of our union that we have not yet made perfect. And if we walk away now, if we simply retreat into our respective corners, we will never be able to come together and solve challenges like health care, or education or the need to find good jobs for every American.”
Für deutsche Ohren ist eine solche Rede gewöhnungsbedürftig. Sie erscheint zu blumig, zu schillernd, zu naiv. In der Tat sind schöne Worte noch keine Lösungen. Falls Obama aber zum Präsidenten der USA gewählt werden sollte, so wird diese Rede als eine der bedeutendsten in die Geschichte des Landes eingehen. Bis zur Wahl ist es jedoch noch ein weiter Weg. Letzte nationale Umfragen verheißen nichts Gutes für Obama. Hillary Clinton ist wieder an ihm vorbeigezogen. Auch die Republikaner haben die Kontroverse um Pastor Wright sehr aufmerksam verfolgt. Sie werden keine Gelegenheit auslassen, um den Wählern die Beziehung Obama-Wright vorzuführen und um ihr altes Kontrastmittel anzuwenden, das sie spätestens seit 1988 (Bush sr. gegen Michael Dukakis) im Wahlkampf benutzen: “Democrats are out of mainstream and out of touch with ordinary American folks.”
Kommentare
Ansicht der Kommentare: (Linear | Verschachtelt)
Kommentar schreiben