Die Zeichen stehen auf Patt. Alles deutet darauf hin, dass am Ende der Vorwahlsaison weder Barack Obama noch Hillary Clinton eine Mehrheit der Delegiertenstimmen auf sich vereinigen können. Die ironische Konsequenz: Nach vielen Monaten des basisdemokratischen Vorwählens muss schließlich doch das Parteiestablishment in Form der Superdelegierten über die Nominierung entscheiden. Die Elite muss dann das wahrnehmen, was man im politikwissenschaftlichen Jargon „end-of-pipe control“ nennt. Wie aber könnte solch eine Kontrolle aussehen? Warten die Superdelegierten mit ihrer Entscheidung bis zum Parteitag Ende August? Oder finden sie vorher eine Lösung?Einen interessanten Vorschlag hat nun der Gouverneur von Tennessee, Phil Bredesen, in einem Gastbeitrag für die New York Times gemacht. Bredesen warnte eindringlich davor, eine Entscheidung erst auf dem Parteitag zu fällen. Er brachte deshalb eine „superdelegate primary“ ins Spiel. Die könnte wie folgt ablaufen: Alle 796 Superdelegierten treffen sich für zwei Tage in einer Stadt in der Mitte der USA (z.B. Dallas), um den gordischen Knoten gemeinsam zu lösen. Zu diesem Assessment Center würden die beiden Kandidaten Barack Obama und Hillary Clinton eingeladen werden, um dem Parteiestablishment noch einmal intensiv Rede und Antwort zu stehen. Bredesen dazu auf Politico.com: „Invite the candidates to come and talk [...], and then literally call the roll.”
Eine interessante Variante, die bereits vorsichtige Zustimmung von Hillary Clinton findet. Auch der Führer der Demokraten im Senat, Harry Reid, deutete an, dass die Partei nicht bis zum August warten werde, um eine Entscheidung zu treffen. Eines ist sicher: Sollten sich die Superdelegierten gegen den Wählerwillen stellen (gemessen in Form von Delegierten oder anhand von realen Wählerstimmen), droht den Demokraten ein Tohuwabohu. Es bleibt spannend!
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