Der nächste Tag der Entscheidung ist gekommen. Heute finden die demokratischen Vorwahlen in Indiana und North Carolina statt, in denen zusammen 187 Delegierte vergeben werden, so viele wie an keinem anderen Wahltag mehr bis zum Ende der Vorwahlsaison am 3. Juni.
Barack Obama und Hillary Clinton haben in den vergangenen Tagen verbissen um jedes noch so kleine Segment von Wählerstimmen gekämpft. Eine Wählergruppe stand dabei im Fokus der Aufmerksamkeit: weiße Arbeiter und Angehörige der unteren Mittelschicht. Um die Gunst dieser in den USA gern als „blue collar voters“ bezeichneten Klientel ist ein intensiver Wettstreit ausgebrochen. Hillary Clinton, in den 1990er Jahren noch als elitär und abgehoben portraitiert, geriert sich in den vergangenen Wochen immer mehr als einzige echte Arbeiterführerin im Wahlkampf. Sie gibt sich offen dem ökonomischen Populismus hin, indem sie gegen den Rat von Wirtschaftsexperten empfiehlt, die Benzin-Steuern den Sommer über auszusetzen, um den autofixierten Amerikanern eine schnelle Netto-Entlastung zu bescheren. Auf Wahlkampftouren geißelt Clinton hohe Studentenkreditraten als moderne Schuldknechtschaft und bezeichnet die Hypothenkrise als groß angelegte Manipulation der gierigen Finanzdienstleister. Sie führt immer öfter Wahlkampf an den Kultstätten des bodenständigen Amerikas (NASCAR Hall of Fame, Community Colleges, Pickup-Truck-Händler) und konstruiert Barack Obama als elitär und entrückt von der Lebenswirklichkeit des Durchschnittsamerikaners.
Wie wir kürzlich berichteten, hat auch Barack Obama seinen Stil bodenständiger gemacht. Immer öfter betont er seine Herkunft aus kleinen Verhältnissen, erzählt von seiner Zeit als Sozialarbeiter im Süden Chicagos und den finanziellen Schwierigkeiten, die seine Familie hatte, als er noch nicht der Politstar (inkl. zweier millionenschwerer Buchverträge) war, der er heute ist. Interessanterweise organisiert das Obama-Team weniger Massenveranstaltungen, die Zeit der schillernden Großkundgebungen scheint vorerst vorbei zu sein. Obama trifft Wähler in kleineren Settings, in Diners und Fabriken, auf Bauernhöfen oder bei Hausbesuchen in den Vororten von Indianapolis, um sich volkstümlicher und weniger abgehoben zu zeigen. Immer öfter sieht man ihn mit hoch gekrempelten Ärmeln und locker sitzendem Schlips. Auch seine Rhetorik ist weniger beladen mit blumigen Botschaften des Wandels und der Hoffnung, sondern geht gezielter ein auf die Ängste und Nöte der von der drohenden Rezession betroffenen Arbeiter- und Mittelschicht.
Der Kampf um das Heartland bleibt spannend. Der wahrscheinlichste Ausgang der Vorwahlen: Barack Obama gewinnt North Carolina, Hillary Clinton setzt sich in Indiana durch. Diese Einschätzung unterfüttern die neuesten Umfragen in beiden Staaten. Fest steht auf jeden Fall, dass Clinton in Indiana gewinnen muss, wenn sie ihre Kampagne am Leben halten möchte. Aber diesen Druck ist die Steh-Auf-Frau des Vorwahlkampfes ja gewohnt.
Hier gibt es den letzten Spin direkt von den Kandidaten, die brav ihre „Morning Media“ absolvierten:
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