John McCain wird sich am Wochenende zu einem Kurzurlaub auf seine Ranch in Arizona zurückziehen, um ein bisschen auszuspannen vom harten Politikalltag. Wer jedoch gedacht hätte, der Senator würde seine kostbare Zeit allein seiner Frau Cindy widmen, der hat sich getäuscht. Wie die New York Times meldet, wird McCain das Wochenende nutzen, um drei potentielle Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten (VP) näher kennenzulernen. In einem lockeren, entspannten Ambiente will er herausfinden, welcher Kandidat (auch persönlich) am besten zu ihm passt. Ein VP-Casting der besonderen Art. Doch wer steht auf der Gästeliste, wer hat es in den Recall geschafft?Mitt Romney
Zunächst ist da ein alter Bekannter: Mitt Romney. Das ist in der Tat eine Überraschung. Wir haben noch die heftigen Auseinandersetzungen im Kopf, die sich Romney und McCain im Vorwahlkampf geliefert hatten. Aber die Zeiten haben sich geändert. Romney (61) ist zu einem der Lieblinge der Konservativen aufgestiegen und bietet sich damit als gute Ergänzung zu McCain an.
Bobby Jindal
Zweiter Mann auf der Liste ist Bobby Jindal, seit Januar diesen Jahres Gouverneur in Louisiana. Jindal hat eine interessante Lebensgeschichte. Als Sohn indischer Einwanderer wurde er 1971 in Baton Rouge geboren, konvertierte mit 14 vom Hinduismus zum Katholizismus und vertritt seitdem kulturell konservative Positionen. Im amerikanischen Jargon heißt das: Er ist „pro life“ und „pro gun“, also gegen Abtreibung und gegen die Einschränkung von Waffenbesitz. Seine Vorzüge: Er könnte der Grand Old Party (GOP) ein interessantes Gesicht geben, das nicht dem üblichen W(hite) A(nglo) S(axon) P(rotestant)-Milieu entspringt.
Charlie Christ
Dritter Kandidat ist Charlie Christ, Gouverneur von Florida. Er hatte McCain kurz vor der entscheidenden Vorwahl im Sunshine State medienwirksam unterstützt. Christs Umfragewerte in Florida sind gut, er ist beliebt und damit eine einflussreiche Person in einem der am härtesten umkämpften Bundesstaaten dieser Wahlsaison. Christ (51) ist ein überzeugter Konservativer, der nicht nur die Todesstrafe verteidigt, sondern sich auch als „pro family“ und „pro gun“ bezeichnet. Christ ist unverheiratet, deshalb halten sich hartnäckig Gerüchte, er sei homosexuell.
Vizepräsidentschaftskandidaten müssen der Kampagne etwas hinzufügen, das sie noch nicht hat. Sie müssen ein ergänzendes Element sein, das neue Wählergruppen oder Facetten in den Wahlkampf einbringen kann. Schaut man auf die drei Kandidaten, dann haben sie drei Dinge gemein, die McCain fehlen: Sie sind vergleichsweise jung, haben exekutive Erfahrung und sind überzeugte Konservative. Favorit ist für uns Charlie Christ. Er hat ein großes Plus: Das nötige Maß an Nähe und Distanz zu George W. Bush. Als Bush kurz vor der Gouverneurs- und Kongresswahl 2006 eine Wahlkampfveranstaltung in Florida besuchte, fehlte Christ. Offizieller Grund: Terminschwierigkeiten.
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