Lange Zeit dachten Wahlstrategen, dass eine Frau zum ersten Mal in der Geschichte die US-Präsidentschaftswahl entscheiden wird, doch dann war Hillary Clinton endgültig aus dem Rennen. Nun wird sie die Wahl entscheiden: Michelle Obama. Das Land scheint reif für einen schwarzen Präsidenten. Aber ist es auch reif für eine schwarze First Lady?, fragt die New York Times. "Miss Mut" nennt die Süddeutsche ZeitungMichelle Obama in dieser Woche und trifft damit die Ambivalenz ihrer Erscheinung auf den Punkt. Mutig ist sie, denn bei ihren zahlreichen Wahlkampfauftritten überschreitet die erfolgreiche Anwältin, die in Princeton und Harvard studierte, das bisherige Repertoire der First Lady bei weitem. Sie spricht aus, was viele – besonders schwarze Arbeiter – denken; dass Amerika von der Angst regiert wird, dass Menschen um das nackte Überleben kämpfen und sich dabei einsam fühlen. Mit dieser schonungslosen Kritik übertrifft Michelle Obama selbst die politischen Reden, mit denen Hillary Clinton im Wahlkampf ihres Mannes mitmischte. Ganz zu schweigen von Laura Bush oder Nancy Regan, die sich eher die Zunge abgeschnitten hätten, als so über ihr Heimatland herzuziehen.
Missmutig reagieren nun die Republikaner, die sich nichts mehr wünschen, als dass Michelle Obamas Unbeliebtheit auf ihren Mann abfärbte. Daran arbeiten Fox News und andere auch schon kräftig. Als Michelle Obama einmal sagte: „Ich bin dank meines Mannes zum ersten Mal stolz auf unser Land“, wurde sie kurze Zeit später in Fernsehspots als Vaterlandsverräterin denunziert. Außerdem tauchte ein Film auf, in dem Michelle Obama ihren Mann als „my baby’s daddy“ bezeichnet. Daraufhin betitelte Fox News Barack Obama tagelang als „Baby Daddy“, eine rassistische Anspielung auf schwarze Männer, die keine Verantwortung für ihre Kinder übernehmen.
Bis zum 4. November werden noch viele republikanische Spots voller Hass und Häme im Fernsehen laufen. Währenddessen wird Cindy McCain, ehemalige Rodeoqueen, Cheerleaderin und Tablettenabhängige, die ihren Reichtum einem Brauereiimperium verdankt, wie Prinzessin Diana Waisenkinder in Bangladesh besuchen und als blonder Medienliebling auf den Titelseiten erscheinen.

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