Die Entscheidung für Sarah Palin war irrational und spontan, typisch McCain-esk. Traditionelle Kandidaten wie Gov. Tim Pawlenty oder Mitt Romney nahm McCains Kampagne lange in den Blick, sie führten die üblichen intensiven Background-Checks durch, sie machten Hoffnung. Und dann entscheidet sich der politische Haudegen innerhalb weniger Tage für Sarah Palin, die „hockey mom“ aus Wasilla, fünffache Mutter, bald Oma und stramm konservative Gouverneurin von Alaska.
Die Presse hatte ihren Spaß an der nahezu unbekannten Palin. Endlich gab es mal wieder etwas zu recherchieren, aufzudecken, kritisch zu beäugen. Und zwar zu Recht. Wir mussten und müssen mehr über diese Frau aus dem hohen Norden wissen, über ihre politische Einstellung, über ihr politisches Handeln, über ihren Charakter. Immerhin könnte sie im nächsten Jahr die Nummer Zwei im Staate werden, mit Optionen auf das Oval Office. Natürlich wünschen wir John McCain alles Gute, aber bei einem 72-jährigen Präsidenten dürfte ein solcher Gedankengang erlaubt sein.
Mit Spannung wurde deshalb die Rede der Politnovizin erwartet. Schnell merkte man, dass der Parteitag sie auf Gedeih und Verderben lieben wollte. Palin enttäuschte die Delegierten nicht. Frisch, dynamisch, selbstbewusst stand sie auf dem Podium in St. Paul und teilte kräftig aus, ganz nach ihrem Motto: „Do you know what they say the difference is between a hockey mom and a Pit Bull? Lipstick!“ Mit kräftigen, humorvollen Einzeilern, die ihr das McCain-Team aufgeschrieben hatte, stilisierte sie sich als bodenständige Durchschnittsamerikanerin, die ihr Land liebt und Linksliberale verabscheut.
Geschickt nahm sie die Kritik an ihrer Eignung als Vizepräsidentin auf und wendete sie gegen Barack Obama. Sätze wie dieser brachten die Halle zum Kochen: „Before I became governor of the great state of Alaska, I was mayor of my hometown. And since our opponents in this presidential election seem to look down on that experience, let me explain to them what the job involves. I guess a small-town mayor is sort of like a 'community organizer,' except that you have actual responsibilities."
Palin kritisierte auch die Presse, indem sie ihr offen vorwarf, Teil des Washingtoner Establishments zu sein und keinen Respekt vor dem kleinstädtischen Amerika zu haben: „I'm not a member of the permanent political establishment. And I've learned quickly, these past few days, that if you're not a member in good standing of the Washington elite, then some in the media consider a candidate unqualified for that reason alone. But here's a little news flash for all those reporters and commentators: I'm not going to Washington to seek their good opinion - I'm going to Washington to serve the people of this country.”
Stolz auf Land, Kleinstadt, Familie, Glauben und Militär, so präsentierte sich Palin. Damit traf sie das Gefühl der Delegierten, die nach langen Monaten der Niederlagen und Demütigungen sehnsüchtig nach einem neuen Star am konservativen Sternenhimmel gierten.
Den kraftvollsten Satz hatte sie sich aber für das Ende ihrer Rede aufgespart. Dieser Satz deutet die Marschrichtung an, die McCain in den nächsten acht Wochen einschlagen wird: „Here's how I look at the choice Americans face in this election. In politics, there are some candidates who use change to promote their careers. And then there are those, like John McCain, who use their careers to promote change." Das Motto: Obama als elitärer, abgehobener Politiker, der seine Kampagne primär aus narzisstischen Gründen führt. McCain als treuer, selbstloser Held, der unbeirrt für den richtigen Weg des Landes kämpft.
Die Delegierten liebten Palin. Aber erst die nächsten Wochen werden zeigen, ob sie die Stärke, Erfahrung und Kraft besitzt, auf der nationalen Bühne zu bestehen.
Ich habe jetzt nur den ersten Teil der Rede gesehen, aber ich fand es auch sehr geschickt, wie sie die Familien mit behinderten Kindern angesprochen hat und ohne es ausdrücklich zu sagen, auch die Schwangerschaft ihrer Tochter mit eingebracht hat.
Wie jede Familie hätten sie auch ihre Krisen und die schönsten Sachen, die einem passieren können (ich nehme mal eine Schwangerschaft), bringen auch Herausforderungen mit sich.
Interessant finde ich auch bei Palin, dass sie zwar unheimlich konservativ und orthodoxe Werte vertritt, aber trotzdem als Frau vorn auf der Bühne steht, die erfolgreiche Karrierefrau darstellt und ihr Mann mit dem Baby im Arm auf der Tribüne sitzt.
Sie scheint also einerseits sehr konservativ zu sein, auf der andere Seite aber auch modern. Aber natürlich wird sie keine Hillary-Wählerinnen anlocken können. Die loyalen Hillary-Wählerinnen werden auf ihre Kandidatin hören und Obama wählen.
Ich finde sie allerdings nicht so eloquent wie Obama. Das wurde in letzter häufiger gesagt, dass sie rethorisch Obama das Wasser reichen könnte, das denke ich nicht. Meines Erachtens hat Obama dafür mehr Ausstrahlung als sie, aber vielleicht entwickelt sie sich ja auch noch. Obama schien am Anfang auch noch recht unsicher.
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Wie jede Familie hätten sie auch ihre Krisen und die schönsten Sachen, die einem passieren können (ich nehme mal eine Schwangerschaft), bringen auch Herausforderungen mit sich.
Interessant finde ich auch bei Palin, dass sie zwar unheimlich konservativ und orthodoxe Werte vertritt, aber trotzdem als Frau vorn auf der Bühne steht, die erfolgreiche Karrierefrau darstellt und ihr Mann mit dem Baby im Arm auf der Tribüne sitzt.
Sie scheint also einerseits sehr konservativ zu sein, auf der andere Seite aber auch modern. Aber natürlich wird sie keine Hillary-Wählerinnen anlocken können. Die loyalen Hillary-Wählerinnen werden auf ihre Kandidatin hören und Obama wählen.
Ich finde sie allerdings nicht so eloquent wie Obama. Das wurde in letzter häufiger gesagt, dass sie rethorisch Obama das Wasser reichen könnte, das denke ich nicht. Meines Erachtens hat Obama dafür mehr Ausstrahlung als sie, aber vielleicht entwickelt sie sich ja auch noch. Obama schien am Anfang auch noch recht unsicher.
Moni
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