Es war keine schlechte Rede. John McCain setzte seine Botschaften klar und deutlich. Er will ein Kämpfer für den Wandel sein, er ist ein authentischer Patriot und pragmatischer Querdenker. Das kommt in Zeiten, in denen Präsident Bush so unbeliebt ist, dass er nicht einmal namentlich von John McCain erwähnt wurde, gut an. Nur einmal ging er auf Bush ein, ganz am Anfang der Rede, als er ihm dafür dankte, das Land nach dem 11. September sicher durch schwierige Zeiten geführt zu haben. So sieht also ein Wechsel an der Spitze einer Partei in den USA aus, die harte Zeiten hinter sich hat.
Insgesamt fehlte der Rede aber die nötige Leidenschaft. Natürlich musste McCain nach den Attacken seines „Pitbulls“ Sarah Palin am Vortag bewusst zurückhaltender und staatsmännischer auftreten. Aber irgendwie kam man nicht von dem Eindruck los, dass der Senator hier einfach nur eine seiner normalen Wahlkampfreden hielt. Erst am Ende des Vortrags hatte er die Halle auf den Füßen, als er durchaus überzeugend in die Menge rief: „Fight with me. Fight for what is right. […] Stand up. We are Americans. We never give up.“
McCain wollte sich als Kämpfer inszenieren (das Wort „fight“ benutzte er 43-mal), aber sein Auftreten unterstützte diese Aussage nur bedingt. Es war alles etwas zu hölzern, etwas zu statisch. Zudem passte seine Botschaft des pragmatischen Eigenbrötlers, der unideologische Lösungen für das Land sucht, der die Grabenkämpfe der Parteien hinter sich lassen will, so gar nicht zum Publikum in der Halle, die gefüllt war mit einer überzeugt konservativen Gemeinde, die sich nichts Schöneres vorstellen kann, als mit der linksliberalen Gegenseite in den Ring zu steigen.
Auch die Botschaft, Washington zu reformieren, blieb hohl. Und dies nicht nur, weil McCain seit über 26 Jahren in derselbigen Stadt seinen Dienst verrichtet. Außer bei den Themen „Klima“ und „Energie“ konnte McCain keine richtige Distanz zur Politik George W. Bushs herausstellen. Er bewegte sich voll im republikanisch-konservativen Mainstream, das zeigte nicht zuletzt das höchst ideologische Programm, das die Delegierten am Vortag verabschiedet hatten.
McCain hatte seine stärksten Momente, als er über seine fünfjährige Zeit im Gefangenenlager in Nord-Vietnam sprach, als er seinen Kampagnenslogan des „America First“ betonte. Patriotismus, die Liebe zum Land, selbstloser Dienst für die Nation, das waren in der Tat die Klammern, die diese Rede zusammenhielten. Diese Botschaften kann McCain authentisch vermitteln. Sie machen seine Person für viele Amerikaner attraktiv. Ob das allerdings reicht, die Wahl zu gewinnen, bleibt abzuwarten.
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