Sarah Palin trat zu ihrem ersten großen Interview an. Lange hatte die McCain-Kampagne ihren Baraccuda vor der Presse geschützt. Nun bekam Charlie Gibson von ABC News das zweifelhafte Privileg, die Gouverneurin in Alaska zu besuchen und zu befragen. Palin hatte sich mit einem Heer von McCains Beratern auf diesen Termin vorbereitet. Es sollte um das Thema Außenpolitik gehen. Milde gesagt: nicht eines ihrer Steckenpferde.
Die Frau, die die Nummer Zwei im Staate werden will, machte keinen Riesenfehler. Aber das Interview lädt doch unweigerlich zum Fremdschämen ein. Charlie Gibson, ein alt ehrwürdiger Journalist mit viel Erfahrung, nahm Palin nur sanft in die Zange. Aber das reichte, um sie bloß zu stellen und Gibson sichtlich zu frustrieren.
Die Gouverneurin wirkte gestelzt. Sie fiel in ihrer Unsicherheit immer wieder auf Worthülsen zurück – Lieblingssatz: „We will not second-guess“. Befragt nach ihrer außenpolitischen Erfahrung nannte sie ihre Kompetenzen in Energiefragen, sie sei ja schließlich Vorsitzende der Alaska Oil and Gas Conservation Commission. Aha? Zur Kaukasus-Krise gab sie bekannt, dass Russland georgisches Territorium „ohne Anlass“ angegriffen habe. Man mag zu Russland stehen, wie man will, aber das Wort „unprovoked“ ist in diesem Zusammenhang durchaus einseitig.
Es wurde noch viel besser. Auf ihre Auslandsreisen angesprochen, gab sie stolz zu Protokoll, sie sei in Kanada und Mexiko gewesen. Hmm. Ach ja. Letztes Jahr hatte sie ja noch ihren „trip of a lifetime“ nach Kuwait und Deutschland, um amerikanische Truppenstützpunkte zu besuchen. Nun denn.
Höhepunkt war die Frage Gibsons, wie Palin denn zu der Bush-Doktrin stehe. Sichtlich konsterniert antwortete sie: „In welcher Hinsicht?“ Gibson hatte keine Lust, ihr die Doktrin zu erläutern. Palin ruderte und ruderte und ruderte und fragte: „Meinen Sie seine Weltsicht?“
Nach langem Herumlavieren hatte Gibson dann ein Einsehen und teilte ihr völlig entnervt mit, die Doktrin ihres Parteigenossen ziele darauf ab, feindlich gesinnte Ländern mit präemptiven Schlägen zu schwächen, bevor sie die USA angreifen könnten. Ohne Worte!
Interessante Teile aus dem Interview sind hier zu sehen:
Palins Denken über Gott und den Krieg gibt es hier:
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