Die Finanzkrise hat nicht nur die Börsen dieser Welt fest im Griff, sondern auch den Präsidentschaftswahlkampf in den USA. Beide Kandidaten sind keine ausgesprochenen Kenner der Finanzwelt, auch wenn die Wall Street zu ihren größten finanziellen Unterstützern gehört.John McCain und Barack Obama unterscheiden sich in ihren Ansätzen zur Lösung der Krise nur wenig voneinander. Generell möchte Obama jedoch etwas mehr staatliche Regulation und Oberaufsicht über Investmentbanken, Hypothekenhändler und Hedge Fonds. Er sprach sich u.a. für eine neue Regierungsbehörde aus, die den Finanzsektor beobachtet und an das Weiße Haus und den Kongress berichtet. Auch wenn McCain punktuell schärfere Kontrolle in Aussicht stellt, so setzt er etwas stärker auf die Selbstheilung des Marktes, ganz im Sinne der marktliberalen Philosophie seiner Partei.
Was sind die politischen Konsequenzen der Krise? Sie kann Barack Obama helfen, in diesem Wahlkampf wieder in die Offensive zu gehen. Lange Zeit hatte es McCain geschickt verstanden, das Rennen zu einer Charakter- und Persönlichkeitsfrage zu machen. Der Patriot gegen den elitären Superstar, so hieß seine Leitlinie.
Die Finanzkrise erlaubt es Obama nun, die Sicht der Wähler wieder auf das Umfeld zu richten, in dem diese Wahl stattfindet. Dieses Umfeld wird bestimmt von den Themen: Wirtschaft, Wirtschaft und Wirtschaft. In einem Statement von heute morgen schnürte Obama bereits ein zitierfähiges Paket. Er gab zu Protokoll: „I certainly don’t fault Senator McCain for these problems, but I do fault the economic philosophy he subscribes to.“
Washington Post-Journalist Chris Cillizza führt auf seinem Blog „The Fix” fünf Ratschläge auf, wie Obama die Krise politisch nutzen kann. Unter anderem schlägt er dem Senator vor, sich mit der Belegschaft der Investmentbank Lehman Brothers zu treffen, eine zweitägige Tour durch den kriselnden Staat Ohio zu machen oder eine Nacht im Haus einer Familie zu verbringen, die von der Hypothekenkrise betroffen ist.
Sicher keine schlechten Ideen. Wichtig ist aber, dass Obama die Chance nutzt, um den Wählern vor Augen zu führen, dass es bei dieser Wahl um mehr geht als nur um Personen, will heißen: um Arbeitsplätze und das eigene Portemonnaie.
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