Es war spannend, gestern bei CNN dabei zu sein. Das Zeichen „Breaking News“ wird sicherlich viel zu inflationär gebraucht. An diesem historischen Abend hatte es aber seine Berechtigung. John McCain – bekannt für seine schnellen, irrationalen Entscheidungen - zog einmal mehr ein Kaninchen aus dem Zauberhut seiner Kampagne. Er setzte seinen Wahlkampf bis auf weiteres aus. Die für Freitag geplante TV-Debatte mit Barack Obama legte er auf Eis.Was war geschehen? Barack Obama hatte John McCain am Morgen angerufen, um ihn von der Idee zu überzeugen, zusammen ein Papier zur Finanzkrise zu veröffentlichen, das die gemeinsamen Positionen der beiden Kandidaten beinhalten sollte. McCain fand die Idee gut, aber er merkte sofort, dass ihm Obama damit das Heft des Handelns aus der Hand genommen hatte. Und das vor dem Hintergrund fallender Umfragewerte für ihn und Berichten über die Geschäftverbindungen seines Kampagnenmanagers Rick Davis mit dem Hypothekenriesen Fannie Mae.
Also fühlte sich McCain bemüßigt, seinerseits in die Offensive zu gehen. Sein Schachzug machte oberflächlich gesehen Sinn. McCain bewegte sich mit dieser Aktion ganz im Rahmen seiner Botschaft des „America First“. Sein Motto lautete in etwa so: „Wir können nicht Wahlkampf machen in einem Moment, in dem uns das Land braucht. Wir müssen zurück nach Washington, um einen überparteilichen Beitrag dazu zu leisten, einen Rettungsplan für die angeschlagene Kreditbranche aufzusetzen. Und debattieren macht in diesem Umfeld auch keinen Sinn.“
Das setzte Obama unter Druck. Immer wieder wurde seine Pressekonferenz verschoben. Aber natürlich blieb CNN dran. Irgendwann erschien der junge Senator schließlich. Er legte eine sonore, tragende Stimmlage auf, die das Bild eines ruhigen und gelassenen Politikers in Zeiten der Krise vermitteln sollte. Obama sprach sich gegen ein Aussetzen der Wahlkampfaktivitäten aus und lieferte dafür zwei gute Gründe. Zum einen wollten die Bürger des Landes doch gerade jetzt von den beiden Kandidaten hören, wie sie die Krise lösen können. Guter Punkt. Zum anderen müsse ein Präsident doch in der Lage sein, mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen, er sollte multitasking-fähig sein. Noch besserer Punkt.
Auch in Washington mehrten sich derweil bereits die Stimmen, die vor dem großen Auftritt der Präsidentschaftskandidaten warnten. In der Tat ist die Gefahr groß, dass die Auftritte von McCain und Obama die Verhandlungen eher verzögern als voranbringen. Egal: Es stellte sich bald heraus, dass die beiden Kandidaten heute keine andere Wahl haben als nach Washington zu reisen. Der Präsident, der am Abend die Nation noch mit warnenden Worten auf seinen Rettungsplan eingeschworen hatte, lud zur Aussprache in Weiße Haus, die zusammen mit den Parteiführern im Kongress stattfinden soll. Eine konzertierte Aktion mit der McCain-Kampagne? Man darf sich diese Frage durchaus stellen…
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