Sie trafen sich also doch, die beiden Kontrahenten. John McCain hatte seine Teilnahme am ersten TV-Duell lange Zeit in der Schwebe gehalten. Am Freitagabend erschien er aber doch auf dem Podium der „Ole Miss“ (University of Mississippi) in Oxford, um mit Barack Obama verbal in den Ring zu steigen.Vorweg: Die Debatte hatte keinen klaren Sieger. Beide Kandidaten wirkten präsidentiell, keiner konnte sich entscheidend gegen den anderen durchsetzen. In den ersten 40 Minuten hatte Obama einen leichten Vorteil, weil es um die aktuelle Finanzkrise ging. Die Taktik des jungen Senators war es, McCain mit der Wirtschaftspolitik der unpopulären Bush-Regierung in Verbindung zu bringen. Das gelang ihm - zumindest rhetorisch – ganz gut.
Im zweiten Teil der Debatte ging es – wie ursprünglich geplant – um Außenpolitik. Obwohl McCain Probleme hatte, die Namen des iranischen und des pakistanischen Staatspräsidenten richtig auszusprechen, zeigte er sich insgesamt als dominant bei diesem Thema. Immer wieder schien er Obama als Politnovizen behandeln zu wollen. Die Phrase „Barack Obama doesn´t understand“ benutzte er häufig.
Obama sah aber nicht aus wie ein Kandidat, der nichts versteht. Er verhielt sich diametral zu McCains „running mate“ Sarah Palin, die kürzlich wieder in einem ABC-Interview mit Katie Couric neue Peinlichkeiten von sich gegeben hatte. Dennoch geriet Obama in die Defensive, als es z.B. um seine Ankündigung ging, sich ohne Vorbedingungen mit Diktatoren zu außenpolitischen Gesprächen treffen zu wollen.
Alles in allem endete das Duell in einem Patt. McCain wirkte gelöst, ein wenig arrogant, aber immer mit einem smarten Lächeln auf den Lippen. Obama musste wie ein Führer in Krisenzeiten - wie ein ernster und ernst zu nehmender Commander-in-Chief - auftreten. Das tat er ohne Umschweife, auch wenn sein sonorer, kühler Ton schon fast etwas zu distanziert wirkte.
Wie üblich versuchten beide Seiten, der Debatte über die TV-Debatte ihren eigenen Spin hinzuzufügen. Der ging aber größtenteils unter in der Berichterstattung über den Kompromiss zwischen Kongress und Exekutive über den 700-Milliarden-Dollar-Rettungsplan für die angeschlagenen Kreditinstitute.
Verlierer des Abends war sicherlich das Format. Die Kandidaten hatten zwei Minuten Zeit für Statements, danach sollten fünf Minuten des Dialogs zwischen McCain und Obama über die Frage des Moderators Jim Lehrer folgen. Beide Kandidaten gingen aber selten aufeinander ein. McCain würdigte Obama kaum eines Blickes. Der ansonsten ausgezeichnet agierende Lehrer hatte es schwer, die Vorgaben der Debattenkommission umzusetzen.
Am 7. Oktober geht es weiter mit dem nächsten TV-Duell. Es wird im Town-Hall-Format stattfinden. Diese Art der Debatte, bei der ausgewählte Zuschauer direkt Fragen an die Kandidaten stellen dürfen, liegt dem spontanen, schlagfertigen McCain. Ein Positivum für den Senator aus Arizona, der unbedingt Boden gegenüber Obama gut machen muss. Die letzten Umfragen zeigen, dass der Demokrat in nationalen und vielen einzelstaatlichen Umfragen deutlich in Führung gegangen ist. Das lag aber weniger an der TV-Debatte als viel mehr an der Wirtschaftskrise, die demokratische Kandidaten generell zu bevorzugen scheint.
Hier die komplette Debatte zum Selberschauen.
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