Selten fand ein TV-Duell zwischen zwei Präsidentschaftskandidaten in einer solch dramatischen Situation statt. Die Finanz- und Wirtschaftskrise bestimmt derzeit die Agenda und sie dominierte auch den gestrigen Abend in Nashville, Tennessee. Immer wieder betonten John McCain („worst economic crisis of our time“) und Barack Obama („worst financial crisis since the Great Depression“) das historische Ausmaß der Entwicklungen auf den globalen Finanzmärkten.Die Krise hat den Wahlkampf massiv beeinflusst - und zwar deutlich zugunsten Obamas. National wie auch in den entscheidenden Schlüsselstaaten liegt der junge Senator vorne. Der Wunsch nach Wechsel, der Ärger über die marktliberale Politik der Republikaner um George W. Bush scheint auf dem Höhepunkt zu sein. Das hilft Obama. John McCain brauchte deshalb einen „game changer“, einen Wendepunkt, der den Wahlkampf noch einmal in seine Richtung lenkte.
TV-Debatten können solche Momente sein. McCain bemühte sich redlich, aber er schaffte es nicht, die fundamentalen Koordinaten des Wahlkampfes neu zu bestimmen. Negativität und persönliche Attacken – also das Schüren von Zweifel an Obamas Person und Persönlichkeit – verbat sich McCain an diesem Abend. Und dies aus guten Gründen. Die Menschen im Land und im Studio verlangen nach Sachlösungen, nach Zusammenarbeit und Krisenmanagement, nicht nach dumpfem Negativwahlkampf. Nur einmal zeigte McCain seine Antipathie gegenüber Obama, als er ihn mit „der da“ („that one“) ansprach.
Der 72-jährige Senator war bestrebt, in die Offensive zu gehen. Überraschend legte er einen Vorschlag auf den Tisch, der es dem Staat erlauben soll, schwächelnde Hypotheken von Hausbesitzern aufzukaufen und sie zu fixen Sätzen zu verzinsen. Immer wieder stellte sich McCain als erfahrener Mann der Tat dar, der unideologisch über die Parteigrenzen hinweg agieren werde und dies über Jahre im Kongress bewiesen habe. Obama bezeichnete er als Hyper-Liberalen, als „big spender“, als Steuergierigen, der nicht in der Lage sei, den Haushalt in den Griff zu bekommen.
Barack Obama schienen diese Angriffe nicht aus der Ruhe zu bringen. Sie kamen ja auch nicht gerade unerwartet. Obama wusste, dass er zwei wichtige Dinge zu erledigen hatte während dieser Debatte. Zum einen musste er McCain mit der desaströsen Amtszeit George W. Bushs und mit dessen gescheiterter Wirtschaftspolitik in Verbindung bringen. Zum anderen kam es für ihn darauf an, präsidentiell zu wirken. Sein Ton, sein Habitus, sein fehlerfreies, aber mitfühlendes Auftreten sollten den Bürgern suggerieren, dass er in der Lage ist, das Land zu führen. Beides erledigte Obama mit Bravour.
Erst im letzten Teil des Duells, als es um Fragen der Außenpolitik ging, geriet der Demokrat stärker in die Defensive. Aber zu diesem Zeitpunkt hatten bereits viele Zuschauer abgeschaltet. Ein Grund dafür war sicherlich das unvorteilhafte Duell-Format. Die Gäste im Studio hatten im Sinne des Town-Hall-Stils die Möglichkeit, eigene Fragen zu stellen. Mehr Interaktion mit den Kandidaten war aber leider nicht erwünscht und geplant. McCain und Obama bemühten sich zwar, auf die Anliegen der Fragenden einzugehen, aber insgesamt herrschte eine sehr kühle, steife Atmosphäre – vielleicht auch ein Resultat der düsteren Wirtschaftslage.
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