John McCain ist in diesen Tagen nicht zu beneiden. Parallel zu den fallenden Börsenkursen bewegten sich auch seine Umfragewerte nach unten. Natürlich nicht in der Monstranz der einzigartigen Wall Street-Baisse, aber doch deutlich sichtbar. Barack Obama hat die Finanz- und Wirtschaftskrise ein großes Stück näher an die Pforten des Weißen Hauses gebracht. In Umfragen liegt er mittlerweile komfortabel vorne, in den Schlüsselstaaten baut er seinen Vorsprung aus, selbst in republikanischen Hochburgen wie North Carolina kann er punkten.John McCain kämpft verzweifelt gegen seine drohende Niederlage an. Er probiert alles, was man als Präsidentschaftskandidat im Instrumentenkasten hat. Er zeigte sich überparteilich, als Retter der Nation. Er stellte sich als Macher und Aktionist dar, der den Wahlkampf sogar einstellen wollte, um in Washington nach Lösungen aus der Krise zu suchen, die andere viel besser meistern konnten. Zu guter Letzt hegte er massive Zweifel am Charakter seines Gegenübers. Er brachte ihn mit Terroristen in Verbindung, bezeichnete ihn als steuergierigen Liberalen und als zu riskante Wahl für den Präsidentenjob.
Mittlerweile hat McCain seine Attacken offiziell zurückgefahren. Negativwahlkampf, das wirkt beim Mann, der den Wählern „Straight Talk“ versprochen hatte, aufgesetzt und unauthentisch. Zudem merkte McCain, dass er die Geister, die er gerufen hatte, nicht mehr richtig einfangen konnte. Die Stimmung auf seinen Veranstaltungen wurde immer gereizter. Ein Zuhörer rief an Obama adressiert: „Bringt ihn um!“ Eine ältere Frau war überzeugt davon, Obama sei ein arabischstämmiger Muslim. Daraufhin sah sich McCain genötigt, ihr das Mikrofon aus der Hand zu nehmen. In einer neuen New York Times/CBS-Umfrage gaben 61% der Befragten an, dass John McCain mehr Negativ- als Positivwahlkampf führe.
Heute nun ist die letzte große Chance für McCain, das Rennen doch noch zu drehen. Die Kandidaten treten zum letzten TV-Duell an. Man darf gespannt sein, was McCain tun wird, um den Wahlkampf doch noch in seine Richtung zu bewegen. Mir fällt wenig ein, aber der alte erratische Haudegen ist immer für eine Überraschung gut. Er hat immerhin versprochen, die Peitsche heraus zu holen…
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