Der Wahlkampf in den USA war lang, er war intensiv, er war rekordverdächtig. 5,3 Mrd. Dollar sind nach fundierten Schätzungen auf der Bundesebene für das zweijährige Ringen um Amerikas Wählergunst ausgegeben worden. Dieser Wert ist zwar im Vergleich zu den großen Werbebudgets von Unilever, Toyota oder Apple immer noch gering, aber im Bereich der politischen Kommunikation ist diese Summe ein absoluter Rekord.Keine Frage. Barack Obama war das Phänomen dieser Wahlkampfsaison. Vor vier Jahren noch Landtagsabgeordneter in Illinois, bereitet er sich heute auf seine Amtsübernahme als 44. Präsident der USA vor. Seine Kampagne entwickelte sich buchstäblich von einer einfachen Botschaft zu einer ausgewachsenen sozialen Bewegung. Obamas Erfolgsstory ist beeindruckend. Sie hat vielen Amerikanern wieder den Glauben an die amerikanische Aufstiegserzählung zurückgeben.
Dieser Wahlkampf hat interessante, neue Trends im Bereich der Kampagnenkommunikation gesetzt. Das Internet ist endgültig zum Herzstück der Wahlkampfkampagne geworden, nicht nur beim Fundraising, sondern vor allem im Bereich der Organisation von direkter Kommunikation. So lebensnah, so direkt und so persönlich wie möglich mit den Bürgern zu kommunizieren, darum ging es nicht nur Obama, sondern auch allen anderen Präsidentschaftskandidaten. Das Fernsehen spielt zwar weiterhin eine wichtige Rolle im Medienmix, es ist aber nur noch ein Kanal von vielen, über den sich Politik vermittelt.
Obama ging es um eine Wahlkampfstrategie, die ein simples Motto hatte: Jeder Unterstützer ist ein Botschafter! Den Prinzipien des Community Organizing folgend demokratisierte er seine Kampagnenführung. Er nahm seine Anhänger ernst, er gab ihnen klare Aufgaben, aber auch die Freiheit, sich eigenständig in den Wahlkampf einzubringen. Diese Kampagne lebte vom Dialog, sie fand mitten in der Gesellschaft statt, sie passte perfekt zu Obamas positiv-optimistischem Anti-Establishment-Wahlkampf.
Nach der Kampagne ist bekanntlich vor der Kampagne. Im nächsten Jahr finden allein in Deutschland fünf Landtagswahlen, eine Europa- und eine Bundestagswahl statt. Viele deutsche Kampagnenexperten haben intensiv auf die Geschehnisse in den USA geschaut. Sie haben die Trends analysiert und die Methoden studiert. Jetzt kommt es auf die Umsetzung an.
Nicht alles aus dem amerikanischen Wahlkampf wird eins zu eins in Deutschland anwendbar sein, vieles muss angepasst oder sogar verworfen werden. Es wird dennoch spannend zu beobachten sein, wie sich die Kampagnen der Parteien hierzulande verändern, wie sie den neuen medialen Herausforderungen begegnen.
Aber auch in anderen Ländern werden 2009 Wahlkämpfe stattfinden. In Großbritannien könnte sich Gordon Brown nächstes Jahr entscheiden, Unterhauswahlen anzusetzen. In Norwegen wird ein neues Parlament gewählt, in Indonesien ein neuer Präsident. Um die neuesten Trends und Entwicklungen im Wahlkampfbereich aufzuspüren und zu analysieren, hat sich die Initiative ProDialog entschieden, ab Januar den wahlkampfblog09.de zu starten. So werden wir unser erfolgreiches Blogformat über die US-Wahlen hinaus fortführen.
Wir bedanken uns bereits jetzt bei Ihnen für Ihr großes Interesse, für Ihre Kommentare und Ihr Vertrauen. Wir wünschen Ihnen eine besinnliche Vorweihnachtszeit. Nach einem hoffentlich guten Rutsch ins neue Jahr sehen wir uns dann auf wahlkampfblog09.de wieder!
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