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„Es könnte auch Dir passieren ...“Mittwoch, 6. August 2008
... mit diesen Worten beginnt der neue Obama Fernsehspot, der Grassroots-Organisation Move On, mit dem nun besonders junge Wähler angesprochen werden sollen.
Ein wenig Besorgnis erregend klingt die Message im ersten Moment. Junge Menschen flüstern sich zu „.. ich hab’s von ihr, aber es könnte jedem passieren...“ Der „Virus“, der zwischen ihnen umgeht, heißt „Hoffnung“. Denn sie reden von Barack Obamas „Message of Hope“, die sie in den letzten acht Jahren bereits aufgegeben hatten. Am Ende steht ein ausgeschlüpftes Küken als Symbol für das mit Hoffnung infizierte Gehirn. Diese Sequenz spielt auf eine Kampagne gegen Drogenkonsum an, die in den späten Achtzigern im US-Fernsehen zu sehen war. Das Video „It could happen to you“ ging als der witzigste Beitrag aus dem Move On Videowettbewerb „30 Seconds for Obama“ hervor. Unter anderen wirkten die Fernseh-Schauspieler Rider Strong, bekannt aus “Boy Meets World”, und Amber Benson aus “Buffy the Vampire Slayer“ an dem Video mit, das nun ganz zielgruppengerecht auf den Sendern MTV und Comedy Central ausgestrahlt wird. Es gilt als Reaktion auf das Video der konservativen Gruppe „Let Freedom Ring“, das Barack Obama als Flip-Flopper bezeichnet. Der Musikkanal MTV bestätigte, dass er in seiner 27-jährigen Geschichte nun erstmals politische Werbung sendet. Berlin im McCain-Spot(t)Montag, 4. August 2008
Die Bilder von Barack Obama vor der Siegessäule in Berlin sind uns noch in wacher Erinnerung. Vor allem die 200.000 Zuschauer haben den Eindruck von Obama als Pop-Star hinterlassen, der zunehmend das Image des charismatischen US-Präsidentschaftskandidaten prägt. Dieses Image zu demontieren, hat sich John McCain zum Ziel gemacht. Er benutzt Bilder des Obama-Auftritts in Berlin, um Anti-Campaigning zu betreiben. In einem offiziellen TV-Spot der McCain Kampagne werden die Bilder aus Berlin gezeigt und mit dramatischer Filmmusik unterlegt. Während eine Off-Stimme verkündet “He is the biggest Celebrity in the World”, wird noch ein Bild von Paris Hilton dazwischen geschnitten, um den Politiker in die Riege der Nonsense-Stars zu reihen. Dann folgt die rhetorische Frage der Republikaner: “But is he ready to lead?”
Die Frage “Is he ready to lead” wird auch in dem offiziellen McCain Internet-Spot “One” gestellt, der Obamas Rhetorik der Einheit auf die Schippe nimmt und sich über die messianische Sprache des Kandidaten mokiert: “Do you see the light?” Alle Berliner, die sich in den letzen Tagen auf den Titelblättern der Zeitungen wähnten und sich in den Fotos der Menschenmenge gesucht und eventuell gefunden haben, können nun in John McCains “Celebrity” Video weiter recherchieren. Wer sogar von der amerikanischen “Presse” zu Barack Obama befragt wurde, taucht eher in dem TV Spot “Obama Hasselhoff 2008” auf, das nicht nur Obama, sondern auch die Berliner durch den Kakao zieht. So berichtet ein Befragter, dass seine “marxistischen Freunde” in den USA Obama unterstützen. Ein anderer zieht einen Vergleich zu Che Guevara. Die Ästhetik des Videos nimmt Bezug auf den Lichtkranz, der zum Bildrepertoire der Obama-Kampagne gehört, und mixt ihn mit flackernden Neonfarben und Techno-Sound. Außer dem Image von Berlin als Zentrum der Techno-Szene, wird mit der Vorliebe der Deutschen für David Hasselhoff gespielt, die auf Amerikaner sehr komisch wirkt. Für die Schlussszene wurde noch Leonardo di Caprio ausgegraben, der in dem Film “Titanic” am Schiffsbug steht – in diesem Fall wurde Obamas Kopf auf den Promi-Körper montiert, er ruft: “I am king of the world!” Obamas Video-TeamMontag, 28. Juli 2008
Als „Geschichtsdokumentation in Echtzeit“ bezeichnet die TechPresident-Bloggerin Nancy Scola die Leistung von Barack Obamas Videoteam. Dahinter steckt jedoch mehr, denn außer der reinen Dokumentation von Events und Wahlkampfauftritten arbeitet ein Team von 50 Mitarbeitern daran, dass der Kandidat aus der richtigen Perspektive betrachtet wird. Arun Chaudhary ist Leiter der Video-Produktion für die Obama-Kampagne. Er sorgt - wie in dem Artikel „Campaigning Online“ beschrieben - dafür, dass mittels Schnitt, Kameraeinstellung und Montage Obama mit den Augen der Demokraten gesehen wird.
Die Verbreitung der Filme im Web 2.0 organisiert Chris Hughes, einer der Facebook-Gründer, der jetzt für soziale Netzwerke in der Obama-Kampagne zuständig ist. Arun Chaudhary verließ für den Wahlkampf seinen Job als außerordentlicher Professor für Film an der NYU. Jetzt produziert er Videos von öffentlichen Veranstaltungen, über Einzelinterviews bis zu Aufnahmen, die hinter die Kulissen führen. Diese kreativen Filme beleben BarackObama.com und einen YouTube-Kanal. Das New Media-Team der Obama-Kampagne kostet einen beachtlichen Teil des Budgets, aber es macht sich durch die crossmediale Nutzung bezahlt. Arun Chaudhary sagt: Die Kampagne hat die Medienabteilung als zu wertvoll eingestuft, als dass sie ein kreatives Risiko eingehen wollte. Als er von der Kampagne abgeworben wurde, sagte man ihm: „You can learn politics, you can learn how to navigate these worlds. But you can’t learn the trades very quickly.“ Der Film-Profi hat die Welt der Politik schnell verstanden und ist nicht ganz ohne Selbstironie in sie eingetaucht. In diesem Video, das zu einer Obama-Demo in New York aufruft, zeigt er sein Talent und gibt dem Genre Polit-Video einen neuen Stil.
Die Werkzeuge der Obama-KampagneDonnerstag, 24. Juli 2008
Der Mitbegründer von Facebook, Chris Hughes, und Judith Freeman, die jetzt in der Obama-Kampagne arbeitet, gaben in dieser Woche auf dem TechPresident-Blog einen ausgezeichneten Überblick, wie Obamas Kampagne soziale Netzwerke aller Art einsetzt, um neue Unterstützer zu gewinnen. Dabei erlangt die Organisation vor Ort großen Stellenwert, vor allem, wenn es darum geht, selbständiges Arbeiten von Ehrenamtlichen zu ermöglichen.
MyBarackObama: Bei diesem sozialen Netzwerk handelt es sich um ein „geschlossenes“, also ein Netzwerk, das auf der Kandidaten-Website entstanden ist und folglich kaum mit Nicht-Fans vernetzt ist, wie Facebook oder Myspace. Ob es sich dabei um ein cross-medial vernetztes Netzwerk handelt, ist umstritten, aber die über eine Million Mitglieder sind extrem nützlich für die Kampagne. Durch die Tools der MyBO-Website können die Mitglieder House Parties und Fundraising Drives organisieren, noch bevor die Kampagne dies „von oben“ steuert. Facebook: Natürlich können nicht viele Organisationen ein Netzwerk wie MyBO aufbauen, weil sie entweder keine kritische Masse erreichen oder es die Kosten in die Höhe treiben würde. Deshalb sind Facebook und Myspace taktische Ziele für die Kampagne. Obamas Facebook-Aktivität lässt sich auf drei Elemente herunterbrechen: • Die Facebook-Profil-Seite: Eines der erfolgreichsten Instrumente der Kampagne. Mit über 1 Million „Freunden“ hat Obama dreimal so viele Unterstützer als jede andere - auch unpolitische - Facebook-Seite. Die Seite erlaubt der Kampagne, Nachrichten an ihre Anhänger zu senden und bietet einen Treffpunkt, von dem weiteres Engagement ausgeht. • Lokale Gruppen: Die „field organizer“ (Manager der lokalen Aktivitäten) wurden beauftragt, lokale Facebook-Gruppen zu gründen, die von einem kleinen Kern ausgehend sehr schnell wachsen können. Mit dem Facebook-Newsfeed wird eine neue Mitgliedschaft automatisch beworben, da im Feed der Freunde aktualisiert wird, wer einer Gruppe beitritt. Diese lokalen Gruppen können von der Kampagne auch als E-Mail-System genutzt werden, das Einzelne oder Gruppen adressiert. MySpace: Wie den Nutzern von MySpace bekannt ist, erlaubt dieses Netzwerk wesentlich mehr Anwendungen als Facebook. MySpace bietet größte Flexibilität, zum Beispiel wenn es darum geht, ein E-Mail-Signup einzufügen oder einen Link zu wichtigen Features auf der Obama-Seite einzubauen. Außerdem ist es für die einzelnen Nutzer recht einfach, auf der MySpace-Seite Bestandteile der Obama-Kampagne zu ihren eigenene Profilen hinzuzufügen. Die Kampagne bietet dazu eine Auswahl von Buttons, Badges und Widgets, um ihre Botschaft zu verbreiten. Die Kampagne versucht die Profil-Seiten der MySpace-Nutzer zu einem Kommunikationszentrum zu machen, damit in diesen privaten Netzwerken ehrenamtliche Mitarbeiter generiert werden können. Die Lektion Die Obama-Kampagne wurde auch in anderen sozialen Netzwerken aktiv, wie der Online-Community für Afro-Amerikaner Black Planet. In jedem einzelnen Fall hat sie sich den Möglichkeiten des jeweiligen sozialen Netzwerks angepasst. Die meisten Kampagnen haben nicht die personellen und finanziellen Ressourcen, um in die Tiefe zu gehen und ein Kader von Superaktivisten zu bilden oder ihre eigenen sozialen Netzwerke aufzubauen. Aber die Werkzeuge, um einen Kandidaten auf seiner eigenen Seite zu promoten sind recht simpel: Profilseite, Badges, Buttons und Widgets sind einfach einzusetzen. Es bedarf also nicht unbedingt eines Tiefseetauchgangs, sondern oftmals reicht es aus, einen Zeh oder zwei in den Pool der Facebook- und MySpace-Freunde zu tauchen. Das Internet schlägt zurückMittwoch, 16. Juli 2008
Die Geister, die er rief, wenden sich nun gegen Barack Obama, den Vorreiter des amerikanischen Online-Campaignings. Sehr anschaulich berichtet Nancy Scola auf dem techPresident-Blog über die neue Dynamik des Internets.
Auslöser dieser Entwicklung ist der Foreign Intelligence Surveillance Act (FISA), für den der US-amerikanische Senat und auch Barack Obama am Mittwoch stimmten. Das Gesetz erlaubt eine umfassendere Überwachung der Telekommunikation mit dem Ziel der Terrorabwehr, und die Debatte darüber erinnert an den in Deutschland heftig diskutierten großen Lauschangriff. Besonders empört sich derzeit die Internet-affine Gemeinde der Online-Aktivisten gegen Barack Obamas Abstimmung für dieses Gesetz und schlägt ihn mit seinen eigenen Waffen, hier drei Beispiele: • Auf der Kandidatenwebsite MyBarackObama.com wurde die mit 16.000 Mitgliedern bisher größte Gruppe gegründet: Senator Obama - Please Vote NO on Telecom Immunity - Get FISA Right • Ein Twitter-Kanal wurde eingerichtet, um die Kampagne zu beleben. • In einer Night of Facebook-Aktion wurde die Abstimmung im Senat virtuell gezeigt und mit einem Wiki für Diskussionen begleitet. Diese Internet-Bewegung gegen das FISA ist schon jetzt eine faszinierende Fallstudie, die zeigt, wie digitale Aktivisten ohne Kosten und ohne unter einem Dach zu sitzen eine lebendige Bewegung schaffen können. McCain entdeckt YouTubeDienstag, 8. Juli 2008
Die McCain-Girls haben die YouTube-Charts bereits seit Monaten erobert, seit einigen Tagen entdeckt auch John McCains Kampagne den Reiz des Video-Kanals.
Das Straight Talk Express-Video stellt einen der Tour-Busse vor, mit denen John McCain und sein Team wie eine Rock-Band durchs Land ziehen und zu seinen Wahlkampfveranstaltungen reisen. Einem kurzen Small-Talk mit dem Busfahrer, der schon zur „Familie“ gehört, folgt eine Besichtigung des Innenlebens. Küche, WC, Duschkabine ... es geht zu wie beim Campingurlaub, wenn John McCain sich auf den Weg macht, um mit den Menschen zu sprechen. Als weiteres intimes Detail wird Einblick unter die Motorhaube gewährt: 550 PS hat die Kampagne. Die Idee ist einfach und gut. Ein sportlicher Mitarbeiter im frisch gebügelten Hemd präsentiert den polierten, nicht minder sportlich wirkenden Straight Talk Express. Ohne großen technischen Aufwand wird eine persönliche Ebene aufgebaut und mit exklusiven Bildern eine neue Nähe zu John McCain hergestellt. Interessant ist auch, dass der nicht mehr ganz junge und athletische Kandidat selbst gar nicht in Erscheinung tritt. Sein Image wird über seine Mitarbeiter und die Volksnähe seines Gefährts generiert. Sicher bietet dieses Modell des Wahlkampf-Videos auch Anregung für deutsche Parteien, deren Wahlkampf-Budget nicht unbedingt ein professionelles Video-Team umfasst. „I’m voting like I never voted before...“Dienstag, 1. Juli 2008
Erinnern Sie sich an den Film Flashdance mit dem Song „Maniac“? „She’s a maniac on the floor – and she’s dancing like she’s never danced before“ Jetzt sind die McCain Girls zurück und tanzen in ihrem Video McCainiac
wie nie zuvor. Mit dieser satirischen Interpretation des Flashdance-Vorbilds, kehren die McCain Girls zurück. Durch „It’s Raining McCain“ haben sie bereits in den Vorwahlen großen Ruhm und fast 2 Millionen Klicks auf YouTube erreicht. Sie gelten als die konservative Antwort auf das Obama Girl, das im März 2007 das Genre des Polit-Musik-Videos einführte. Während Obama Girl im Pinup-Look und mit eingängiger Musik auftritt, besteht bei den McCain Girls keine Verwechslungsgefahr mit den üblichen Pop-Stars, im Gegenteil - sie persiflieren diesen Stil. Die Autorenschaft, so klärte kürzlich die New York Times, liegt bei dem Comedy-Team, das hinter der Website 23/6 steckt. Auch wenn sie in ihrem aktuellen Video „Vote McCain“ singen und wispern, so sind sie nicht als eindeutige McCain-Fans zu verstehen. Sie gestalten die Bildsprache und Liedtexte konsequent so ambivalent, dass der Betrachter nicht zwischen Ernst und Ironie zu unterscheiden vermag. Spätestens in der Schluss-Sequenz des Videos wird dies offenbar, denn mit Augenklappe und Armprothese mutiert McCain zur Rakete. In dieser Konfrontation von Tänzerin und Robotor wird gleichsam das Spiel von Vitalität und Morbidität auf die Spitze getrieben. Virale Videos bestimmen den US-WahlkampfDienstag, 17. Juni 2008
Virale Videos werden zur schärfsten Waffe im US-Präsidentschaftswahlkampf, denn sie bringen den Zeitgeist auf den Punkt. Sie fangen einen Moment ein und brennen diese Stimmung in das kollektive Gedächtnis der Wähler. In den Vorwahlen bot das Hillary 1984-Video den Auftakt und erreichte in kürzester Zeit Millionen Klicks auf You Tube. Die Message war einfach: Hillary gehört zum Establishment – Obama bedeutet "Change". Damit wurde das Video zum prägendsten “Virus” der Vorwahlen. In dieser Woche wurde I Am Voting Republican, das erste Video des Präsidentschafts-Wahlkampfes, mit über einer Million Klicks bei YouTube zum neuen Star am Video-Himmel. Der zynische Humor dieses Clips scheint zu überzeugen. So sieht man nicht nur einen Soldaten, der sagt: “Ich wähle die Republikaner, damit ich im Irak bleiben kann”; sondern auch einen kleinen Jungen mit Maschinengewehr, der fortführt: “Ich wähle die Republikaner, damit ich in den Iran kann.”
Auf einer ironischen Website liefern die Produzenten Hintergrundinformationen. Warum dieses Video den US-Wahlkampf prägen wird, erklärt Liza Sabater bei TechPresident: 1. Es definiert klar den Kandidaten, den es zu schlagen gilt. 2. Es benennt genau die Gründe, die gegen den Konkurrenten sprechen. 3. Es nutzt die kognitive Kraft der Satire, um die “schlechten Nachrichten” in positiver Weise zu transportieren. 4. Es hat die erste Schwelle der Akzeptanz rasant übersprungen. Strategisch gilt “I Am Voting Republican” als besonders wertvoll, da es vornehmlich die Clinton-Unterstützer anspricht, die bereits angedroht hatten, lieber konservativ zu wählen als Obama ihre Stimme zu geben. Die Kommentare bei der Huffington Post zeigen, wie brilliant die Ironie des Videos wirkt. Es löste gleich eine Kettenreaktion von bereits mehr als 200 Kommentaren aus. Hier eine kleine Auswahl:
Die Obama-ConnectionMittwoch, 11. Juni 2008
Ohne die Macht der Netzwerke zu begreifen, kann man heutzutage weder den Terrorismus bekämpfen, noch eine Wahl gewinnen. So fasste kürzlich der New York Times-Kolumnenschreiber Roger Cohen die aktuelle Lage zusammen. Mit The Obama Connection benennt Cohen den Grund für den Sieg Barack Obamas gegenüber Hillary Clinton in den Vorwahlen im US-Präsidentschaftswahlkampf: Ihre Strategie, so Cohen, ist im 20. Jahrhundert steckengeblieben.
Mit der Zeit ist das Verständnis für internetbasierte Netzwerke jedoch zumindest bei John McCains Wahlkampfteam eingekehrt. So berichtet der konservative Online-Stratege Patrick Ruffini auf der techPresident-Website, dass McCains Website die von Barack Obama schlagen kann, indem sie jetzt zu einer Plattform wird (wir berichteten). Ein Instrument, dass die Wahl-Strategen bereits aus dem Web 2.0 übernommen haben, ist ein gutes Application Programming Interface (API), das erlaubt Twitter-Daten und Login-Informationen für die Kandidatenseite zu verwenden. Patrick Ruffini empfielt der McCain-Kampagne, ihre Website mit Hilfe von API auf einen Stand zu bringen, der es möglich macht, Netzwerke noch intensiver zu nutzen als Barack Obama dies tut. Wie das in der Praxis aussieht? Ganz einfach. Mit Hilfe einer McCain-API könnten alle Wahlkampf-Aktivitäten von Freiwilligen auf der Kandidatenseite sichtbar werden. Zum Beispiel könnte die McCain-API mit Facebook-Applikationen verbunden werden, sodass Unterstützer ihre Aktivitäten auf der Kandidatenwebsite veröffentlichen können. Facebook-Newsfeeds könnten aktualisiert werden mit Meldungen wie „Patrick Ruffini hat für John McCain gespendet“ oder „Patrick Ruffini hat soeben 10 Unterstützer für McCain rekrutiert“. Gleichermaßen könnte der eigene Aktivitätsfluss wie das Rekrutieren von Freiwilligen, Unterschriften für Petitionen und Spenden auf der Kandidatenseite veröffentlicht und mit einer vorbereiteten Adressenliste kombiniert werden. In diesem Moment wird die McCain-Website zur Plattform für aktiven Austausch der Freiwilligen untereinander. Suchbegriffe wie die Postleitzahl können helfen, Gleichgesinnte in der unmittelbaren Nachbarschaft ausfindig zu machen. Diese Geo-Codierung kann unter anderem nützlich sein, um Wahlkampf-Veranstaltungen zu organisieren, die von den Webnutzern selbst, nicht von der Kampagnenführung ausgehen. Die Kampagnen selbst können die Kontrolle über ihre Botschaft nicht mehr behalten. Wenn sie erfolgreich sind, verselbständigt sich die Kommunikation über den Kandidaten und wird für die Medien relevant. So ist auch Obamas Massenbewegung für die Presse interessanter als seine Botschaft. Die von Patrick Ruffini vorgeschlagenen APIs sind die logische Fortsetzung dieses Trends. Die Wähler bilden bereits virale Netzwerke auf Facebook, Twitter und anderen Kanälen. Aber es gibt noch keine Möglichkeit, sie mit Aktionen auf den offiziellen Kandidatenseiten zu verbinden, denn wer einer Facebook-Gruppe beitritt, bleibt bisher trotzdem unsichtbar für die Kampagenführung. Rassismus oder Reflexion?Montag, 9. Juni 2008
Mit einer umstrittenen Headline löste die als linksalternativ bekannte „tageszeitung“ (taz) große Diskussion nicht nur in ihrem eigenen Blog aus. Bei vielen in Deutschland lebenden Amerikanern wird die Schlagzeile als extrem rassistisch wahrgenommen, während die taz-Redaktion der Ansicht ist, sie wollte nur zum Nachdenken anregen.
Die Überschrift spielt auf den Roman "Onkel Toms Hütte" von Harriet Beecher Stowe an. Stowe schrieb das Buch 1852 als Roman gegen die Sklaverei. Doch gilt, wie auch Spiegel Online berichtet, das Buch als vorurteilsbeladen und umstritten. Inzwischen ist der Begriff "Onkel Tom" eine Beleidigung für Schwarze, da er mit unterwürfigen Afroamerikanern assoziiert wird. Diese Diskussion über die pejorative Bedeutung des Begriffs scheint an den Deutschen ein Stück weit vorbegegangen zu sein. Gibt es doch in Berlin noch ein Stadtviertel und eine U-Bahn-Station, die nach dem auch hierzulande populären Buch benannt worden sind. So mag sich bei dieser Headline mancher Berliner gefragt haben, ob Obama nach Schwanenwerder ziehen möchte. In diesem Fall sollte die kulturelle Differenz zwischen Amerika und Deutschland in der Wahrnehmung des Buches mitbedacht werden. Sie spielt eine Rolle, auch wenn grundsätzlich in jedem Witz ein ernster Kern steckt, der mehr über den verrrät, der ihn erzählt, als über das Thema selbst. Die taz, die sich gerne als linksintellektuelles Blatt gibt, ignoriert in diesem Fall die transatlantische Weiterentwicklung des Begriffs anstatt darüber zu informieren. Aber immerhin hat sie uns damit eine neue Debatte beschert.
Blogeintrag von Ute Pannen
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Can we ask? - Yes we can.Dienstag, 27. Mai 2008
Yes we can - dieser Satz gehört Barack Obama. Doch die Republikaner können auch anders als bislang und nehmen nun eine semantische Neubewertung dieses Slogans vor. Seit es mehr als wahrscheinlich ist, dass Barack Obama der Kandidat der Demokraten wird, gilt ihm die volle Aufmerksamkeit des Republican National Committee, RNC. Eine neue Website des RNC zieht Obama in den Fokus des Anti-Campaignings und zeigt dieses Video:
Die Website ist schlicht und ihre Funktionen sind klar. Sie hat drei wesentliche Optionen: Schreibe eine Frage an Obama, schicke ein Video mit deiner Frage oder spende. Strategisch nutzen die Republikaner die Grundidee von Hillary Clintons Let the Conversation begin-Kampagne, nur dass sie in der Umsetzung wesentlich konsequenter sind und nicht nur Briefe der Wähler vorlesen, sondern auch deren Videos zeigen. Man merkt, dass sie während der ewig andauernden Primaries genug Zeit hatten, von den Demokraten zu lernen. Nun wollen sie Barack Obama in ein unangenehmes Gespräch verwickeln und stellen Fragen, so zum Beispiel der konservative Journalist und Townhall-Blogger Matt Lewis: Die schriftlich eingereichten Fragen kann man hier nachlesen. And the winner is ... „Obamacan“Dienstag, 20. Mai 2008
Die Gewinner des MoveOn-Videowettbewerbs sind bekanntgegeben worden: David Gaw und Lance Mungia produzierten das Video „Obamacan“. Wie man „Obamacan“ übersetzt, zeigt das Urban Dictionary. Es handelt sich dabei um ein Wortspiel aus den Namen des Kandidaten Obama und der Bezeichnung „Republican“ für Anhänger der konservativen Partei.
In „Obamacan“ erzählt ein Veteran, der jahrelang republikanische Kandidaten unterstützt hat, dass er voll hinter Barack Obama steht und ihn wählen wird. Die Prämierung dieses Videos gilt strategisch als brillianter Schachzug der MoveOn-Jury, da der Werbefilm sich an republikanische Wähler richtet, die sich zwischen Obama und John McCain noch nicht entschieden haben. Mit über 400.000 Clicks erreichte der Spot bereits enorme Aufmerksamkeit auf YouTube und wird nun auch in den Staaten Ohio, Colorado, and Wisconsin im US-Fernsehen ausgestrahlt. Laut Politico stehen dafür 200.000$ zur Verfügung. Wie die Kommentare im Politico-Blog zeigen, hinterlässt der Spot bereits erste Spuren bei Republikanern. So fragt EDFromNH die Obama-Kampagne, ob sie auch Buttons mit der Aufschrift „Republicans für Obama“ zur Verfügung stellen… Es lohnt sich auch ein Blick auf die anderen prämierten Videos des Wettbewerbs unter obamain30seconds.org.
Blogeintrag von Ute Pannen
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Die zweite HillaryDonnerstag, 15. Mai 2008
Für alle die, die Hillary Clinton im Rennen um die US-Präsidentschaft schon aufgegeben haben, hier eine tröstliche Nachricht: Es gibt sie gleich zweimal. In der Sendung „Saturday Night Live“ trat Amy Poehler in der Rolle von Hillary Clinton auf. In ihrer Parodie nahm sie optisch Bezug auf Hillary Clintons erstes Video-Podcast „I’m in“, mit dem Clinton im Januar 2007 ihre Kandidatur bekannt gab.
In ihrer Ansprache an die Nation erklärte sie, warum sie die bessere Präsidentin ist: erstens sei sie eine schlechte Verliererin, die sich im Falle der Nominierung Obamas weigern würde, seinen Wahlkampf zu unterstützen. Zweitens seien ihre Unterstützer Rassisten, die Obama im November nicht wählen würden, sollte er der Präsidentschaftskandidat werden. Mit der Pointe über die rassistischen Wähler hat Amy Poehler bei den Amerikanern einen wunden Punkt getroffen. Allein auf der Website der Huffington Post haben über 1000 Leser einen Blogkommentar zu diesem Thema hinterlassen. Sie führen eine regelrechte Debatte über Rassismus im Wahlkampf. Hier zwei Beispiele: „LOVE IT!! If even the liberal Hollywood elite has turned on the Clinton brand, it means we on the rabid left have won!! So we send Obama, with barely one year of national experience, surrounded by racists, crooks and flag stomping bombers, to fight it out in the general election. WE ROCK!! YES WE CAN! YES WE CAN!! BHO '08!!” "Just because someone doesn't vote for Barack Obama doesn't make him a racist! What's gotten into this country? Obama is not a saint because he is African-American. He is subject to the same scrutiny, as any other presidential candidate. He has been critical of Senator Clinton, along the campaign trail and even ridiculed her a few times. Give me a break! Clinton is winning all the major blue states, which the Democrats must win in November to take back the White House.” Amy Poehler trat bereits am 1. März 2008 bei „Saturday Night Live“ auf und traf dort auf Hillary Clinton, die durchaus Humor bewies und ihre Parodistin schätzt: „I simply adore Amy's impression of me."
Was passiert eigentlich auf Facebook?Dienstag, 6. Mai 2008Heute wurde ich von einem Freund eingeladen, Mitglied seiner Facebook-Gruppe zu werden und stellte fest, dass die Namen dieser Gruppen immer länger werden. Seit heute bin ich also Mitglied der Gruppe „ Americans Against a third Bush Term (a.k.a.) A McCain Presidency“, die nun 41 Unterstützer hat. Die Selbstdefinition der Gruppe beginnt mit dadaistisch anmutenden Wortspielen wie „... against a John Bush, George McCain ... John McCain presidency.“ Dann geht sie in populistische Klagen über die Benzinpreise über und endet mit dem ironischen Satz „Yeah John, we’re right where we wanna be.“ Wer sich zu dieser Gruppe hingezogen fühlt, hat verschiedene Möglichkeiten sich zu engagieren. Zum einen gibt es den Link, der dazu auffordert, weitere Freude in die Gruppe einzuladen, zum anderen die Chance, sich selbst mit Kommentaren einzubringen und ähnlich wie in einem Forum Diskussionen anzustoßen. Die "Americans Against a third Bush Term (a.k.a.) A McCain Presidency"-Gruppe hat bisher zwei Diskussionsbeiträge. Andere Beiträge können nur von dem Gruppen-Administrator gepostet werden. Die Rubrik "Recent News" beispielsweise informiert über John McCains Politik, die Bushs Steuerkürzungen für Reiche fortsetzen will, den Krieg im Irak weiterführen möchte und vieles mehr. Außerdem bezeugen Fotos die innige Freundschaft zwischen Bush und McCain, während die Applikation Video bislang ungenutzt beibt. Allerdings findet sich unter der Kategorie "Posted Items" ein YouTube-Video mit peinlichen Momenten McCains und unter anderen findet man dort einen satirisches Bild zu John Mc Cains Haltung zur Homoehe. Facebook bietet also beste Möglichkeiten, negative campaigning zu betreiben und viral zu verbreiten. Schauen wir uns doch einmal an, welche politischen Gruppen derzeit bei StudiVZ in Deutschland entstehen. Da wäre die Gruppe "Angela Merkel: Bundeskanzlerin der Herzen – wir lieben Dich" (2 Mitglieder) oder Anti-Gruppen wie "Wenn Kurt Beck Kanzler wird, wandere ich aus!" (46 Mitglieder). Niemand polarisiert jedoch so sehr wie Claudia Roth, um die sich sowohl ein Fanclub (183 Mitglieder) als auch die Gruppe "Ich hasse Claudia Roth" (448 Mitglieder) ranken. Außerdem häufen sich zu ihrer Person Geschmacklosigkeiten wie "Gott hasst Claudia Roth" (4 Mitglieder), "Burkapflicht für Claudia Roth" (38 Mitglieder) und "Ich bremse nicht für Claudia Roth" (69 Mitglieder). Die Gruppe "Ich war mit Guido Westerwelle in der Sauna" (7 Mitglieder) zeigt, dass sich nicht alle StudiVZ-Gruppen in die normativen Kategorien von Pro und Contra, von Kampagne und und negative campaigning einordnen lassen. Zur Wahlkampfkommunikation eignet sich StudiVZ ohnehin nur sehr eingeschränkt. Es gibt weder ein "Discussion Board", noch die Möglichkeit, Links oder Beiträge zu posten. Bei der Entscheidung zu einer Gruppenmitgliedschaft auf StudiVZ handelt sich demnach eher um das Abgeben eines Statements. Die einzigen aktiven Partizipationsmöglichkeiten bestehen in dem Einladen weiterer Gruppenmitglieder und dem Melden von Gruppen, die möglicherweise die Gefühle oder Moralvorstellungen der Teilnehmer verletzen. P.S.: Um die Gruppen anzuschauen, muss man sowohl im Fall von Facebook als auch bei StudiVZ einen eigenen Account haben.
Blogeintrag von Ute Pannen
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Spuren der MachtDienstag, 29. April 2008
Wie die Kandidaten um das US-Präsidentschaftsamt nach 4 Jahren in dem stressigsten Job des Landes aussehen, zeigen die Gurus von PopPhoto. Sie haben die Fotos von John McCain, Barack Obama und Hillary Clinton digital altern lassen. Mit verschiedenen Fotoshop-Funktionen wurden ihnen graue Haare, tiefe Falten und Altersflecken zugefügt. Die Lippen wurden dünner und die Wangen fielen ein. Die Huffington Post berichtet, dass selbst das digitale Altern Zeit kostet: an jedem der Bilder haben die Grafiker 4 Stunden gearbeitet.
Auch die deutsche Fotografin Herlinde Koelbl zeigt Spuren der Macht. Ihre Fotoserie, die in den letzten Jahren unter anderem im Deutschen Historischen Museum und im Kunstraum des Deutschen Bundestages zu sehen war, verfolgte deutsche Politiker in Echtzeit. Eines steht fest: Die Politik lässt Menschen altern, mehr als jeder andere Beruf. Joschka Fischer 1991: „Heute bin ich ein alter Kämpfer im Katzenrevier. Zerzaust, zerrupft und fülliger – aber mit jeder Menge Erfahrung.“
Blogeintrag von Ute Pannen
um
17:48
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