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Wahlkampf NonstopFreitag, 28. November 2008
Der Wahlkampf in den USA war lang, er war intensiv, er war rekordverdächtig. 5,3 Mrd. Dollar sind nach fundierten Schätzungen auf der Bundesebene für das zweijährige Ringen um Amerikas Wählergunst ausgegeben worden. Dieser Wert ist zwar im Vergleich zu den großen Werbebudgets von Unilever, Toyota oder Apple immer noch gering, aber im Bereich der politischen Kommunikation ist diese Summe ein absoluter Rekord.
Keine Frage. Barack Obama war das Phänomen dieser Wahlkampfsaison. Vor vier Jahren noch Landtagsabgeordneter in Illinois, bereitet er sich heute auf seine Amtsübernahme als 44. Präsident der USA vor. Seine Kampagne entwickelte sich buchstäblich von einer einfachen Botschaft zu einer ausgewachsenen sozialen Bewegung. Obamas Erfolgsstory ist beeindruckend. Sie hat vielen Amerikanern wieder den Glauben an die amerikanische Aufstiegserzählung zurückgeben. Dieser Wahlkampf hat interessante, neue Trends im Bereich der Kampagnenkommunikation gesetzt. Das Internet ist endgültig zum Herzstück der Wahlkampfkampagne geworden, nicht nur beim Fundraising, sondern vor allem im Bereich der Organisation von direkter Kommunikation. So lebensnah, so direkt und so persönlich wie möglich mit den Bürgern zu kommunizieren, darum ging es nicht nur Obama, sondern auch allen anderen Präsidentschaftskandidaten. Das Fernsehen spielt zwar weiterhin eine wichtige Rolle im Medienmix, es ist aber nur noch ein Kanal von vielen, über den sich Politik vermittelt. Obama ging es um eine Wahlkampfstrategie, die ein simples Motto hatte: Jeder Unterstützer ist ein Botschafter! Den Prinzipien des Community Organizing folgend demokratisierte er seine Kampagnenführung. Er nahm seine Anhänger ernst, er gab ihnen klare Aufgaben, aber auch die Freiheit, sich eigenständig in den Wahlkampf einzubringen. Diese Kampagne lebte vom Dialog, sie fand mitten in der Gesellschaft statt, sie passte perfekt zu Obamas positiv-optimistischem Anti-Establishment-Wahlkampf. Nach der Kampagne ist bekanntlich vor der Kampagne. Im nächsten Jahr finden allein in Deutschland fünf Landtagswahlen, eine Europa- und eine Bundestagswahl statt. Viele deutsche Kampagnenexperten haben intensiv auf die Geschehnisse in den USA geschaut. Sie haben die Trends analysiert und die Methoden studiert. Jetzt kommt es auf die Umsetzung an. Nicht alles aus dem amerikanischen Wahlkampf wird eins zu eins in Deutschland anwendbar sein, vieles muss angepasst oder sogar verworfen werden. Es wird dennoch spannend zu beobachten sein, wie sich die Kampagnen der Parteien hierzulande verändern, wie sie den neuen medialen Herausforderungen begegnen. Aber auch in anderen Ländern werden 2009 Wahlkämpfe stattfinden. In Großbritannien könnte sich Gordon Brown nächstes Jahr entscheiden, Unterhauswahlen anzusetzen. In Norwegen wird ein neues Parlament gewählt, in Indonesien ein neuer Präsident. Um die neuesten Trends und Entwicklungen im Wahlkampfbereich aufzuspüren und zu analysieren, hat sich die Initiative ProDialog entschieden, ab Januar den wahlkampfblog09.de zu starten. So werden wir unser erfolgreiches Blogformat über die US-Wahlen hinaus fortführen. Wir bedanken uns bereits jetzt bei Ihnen für Ihr großes Interesse, für Ihre Kommentare und Ihr Vertrauen. Wir wünschen Ihnen eine besinnliche Vorweihnachtszeit. Nach einem hoffentlich guten Rutsch ins neue Jahr sehen wir uns dann auf wahlkampfblog09.de wieder! McCains HochburgenMittwoch, 12. November 2008
Für amerikanische Verhältnisse hat John McCain die Wahl gegen Barack Obama haushoch verloren. Aber auch der Senator aus Arizona hat seine Hochburgen, seine Horte der elektoralen Glückseligkeit. Zugewinne gegenüber 2004 verzeichnete er z.B. in der Appalachen-Gegend, die sich vom Südwesten Pennsylvanias über West Virginia bis hinunter nach Tennessee zieht.
Die Staaten, in denen er am besten abgeschnitten hat, liegen alle samt in den dünn besiedelten Teilen des Landes, das man gemeinhin als Heartland der USA bezeichnet. In Wyoming, Oklahoma oder Utah war nichts von der Obamania zu spüren. Hier gewann McCain im Schnitt mit über 30 Prozentpunkten Vorsprung.
Schaut man auf die einzelnen Kreise, dann findet man einige gallische Dörfer, die sich dem landesweiten Trend stur widersetzt haben. Das beste Ergebnis hatte John McCain in King County im Norden von Texas. Hier gewann er mit sagenhaften 88 Prozent (!) gegen Barack Obama. Laut Volkszählung aus dem Jahr 2000 leben in King County 365 Einwohner in 108 Haushalten, das macht 0,39 Menschen pro Quadratmeile. 94 Prozent der Bewohner sind weiß, immerhin 9 Prozent Latino und 1 Prozent African American. Die größeren Siedlungen haben dort so schöne Namen wie Guthrie, Grow oder Dumont. Der größte Wirtschaftszweig in King County? Rinderzucht.
Generation ObamaMittwoch, 12. November 2008
Was ist die Generation Obama, von der seit der letzten Woche überall die Rede ist?
Es ist die neue Generation von erfolgreichen schwarzen Führungskräften, die nach der Bürgerrechtsbewegung den gesellschaftlichen und politischen Aufstieg geschafft haben. Sie sind moderater und weniger konfrontativ als die Generation vor ihnen. Sie haben in weißen Machtzentren Fuß gefasst und vermögen über das Geld und die Kontakte, um umzusetzen, was ihre Vorgänger angestoßen haben. Mit dieser Position stoßen sie allerdings auch auf Generationenkonflikte innerhalb der schwarzen Führungselite, in der die älteren die Rassismusproblematik stärker thematisiert wissen möchen. Diese Generation hatte die Unterdrückung noch in viel stärkerem Maß erlebt. Für viele ältere Schwarze blieb es bis zum 4. November 2008 unvorstellbar, dass eine Mehrheit der Weißen heute offenbar keine Vorbehalte mehr hat, einen Schwarzen zu wählen, wenn er sie politisch überzeugt. Die Obama Generation zeichnet sich durch eine „post racial“ Weltanschauung aus. Ihr gehören junge Politiker wie Deval Patrick, der 52-jährige Gouverneur von Masschusetts an. Nach Douglas Wilder ist er der zweite afroamerikanische Gouverneur eines Bundesstaates. Seine “postrassistische“ Wahlkampfstrategie, mit der er 2006 zum Gouvereur gewählt wurde, hat auch Barack Obama geprägt. Ein ähnlich pragmatisches Verhältnis zu ihrer ethnischen Zugehörigkeit pflegen afroamerikanische Politiker wie Cory Booker, der in Newark Bürgermeister ist; Michael Nutter in Philadelphia und Arthur Davis, der in Alabama Kongressabgeordneter ist. Sie teilen die Herkunft aus der Mittelschicht, ein Studium an einer Eliteuniversität und die Überzeugung, dass Politik nicht reine Klientelpolitk sein kann. Aber die Obama-Generation ist mehr, sie ist auch eine Bewegung, gewachsen aus einer Grassrootskampagne mit dem Ziel, Barack Obama zum Präsidenten der Vereinigeten Staaten zu wählen. Was von einigen Aktivisten ausging, ergreift heute einen immensen Teil der amerikanischen Gesellschaft. Sie waren Teil der Kampagne und haben sich mit Spenden, Anrufen, Hausbesuchen, Blogbeiträgen, Events, Hausparties, Facebookfreundschaften und weitergeleiteten E-Mails am Prozess des Wandels beteiligt, der von der Kampagne zur Bewegung führte und eine gemeinsame Identität schuf. Sie alle sind Teil der Obama-Generation. Diese Energie zu erhalten, hat sich der neue Präsident zum Ziel gemacht; und er wird sie weiterhin einbinden in seinen Weg zum Wandel. Auf der neuen Website des „President-Elect“ werden diese identitätsbildenden Prozesse fortgesetzt. "Schreib mir in Deinen Worten, was diese Kampagne und diese Wahl für Dich bedeutet haben: An American Moment: Your Story". Change.govFreitag, 7. November 2008
Offensichtlich will Barack Obama seinen Dialog mit den Bürgern auch nach der Wahl fortsetzen. Seit gestern ist change.gov online, eine Website, die im der Optik und im Aufbau stark an barackobama.com erinnert.Unter dem Stichpunkt "American Moment" sind die Bürger aufgefordert, ihre Ideen und Vorschläge, ihre Geschichten zu teilen. Und man kann sich bereits direkt über die Website für Jobs in der Obama-Biden-Administration bewerben.
Blogeintrag von Kerstin Plehwe
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10:31
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Mit Vorsprung in die letzten 72 StundenFreitag, 31. Oktober 2008
Die Mobilisierungsmaschinen der Kampagnen laufen auf Hochtouren. Jetzt geht es um das, was die Amerikaner „Get-Out-the-Vote“ (GOTV) nennen. Täglich erreichen die Aktivisten auf beiden Seiten des politischen Spektrums drei bis fünf E-Mails, die sie zu Last-Minute-Aktionen in den letzten 72 Stunden aufrufen. In diesem elektoralen Häuserkampf hilft es, sich noch einmal über die Grundkoordinaten der Wahl zu versichern.
Pünktlich vor der ganz heißen Phase des Wahlkampfes hat die New York Times in Kooperation mit CBS seine letzte große Umfrage vor den Wahlen veröffentlicht, im Rahmen derer sie 1.439 mögliche Wähler („likely voters“) befragt hatte. Die wichtigste Botschaft: Barack Obama scheint seinen Vorsprung konsolidiert zu haben. Er liegt mittlerweile mit 51 Prozent vor John McCain mit 40 Prozent. Natürlich muss man diese Führung in der NY Times-Umfrage mit Vorsicht genießen. Die Meinungsforscher haben in diesem Rennen große Probleme, sowohl den richtigen Anteil an afro-amerikanischen und jungen Wählern zu bestimmen als auch den viel zitierten Bradley-Faktor einzurechnen. Auch wenn andere Umfragen ein engeres Rennen sehen, so liegt Obama insgesamt stabil mit 3 bis 11 Prozent vorne. Dass sich Obamas Spitzenwerte Mitte Oktober - auf dem Höhepunkt der Finanzkrise – nicht halten ließen, war klar. Das Land ist polarisiert, die unentschlossene Mitte extrem klein. In der New York Times-Umfrage gaben weniger als zehn Prozent der Befragten an, überhaupt noch unentschieden zu sein. Insgesamt ist die Stimmung im Lande weiter äußerst düster. 89 Prozent der Befragten sehen die Wirtschaftslage negativ. 85 Prozent denken, dass Land sei auf dem falschen Weg in Richtung Zukunft. George W. Bush Zustimmungsraten liegen bei unterirdischen 22 Prozent. So tief herunter ist es bisher nur für Harry Truman im Wahljahr 1952 gegangen. Barack Obama hat bei den wichtigsten Themen der Zeit wie Wirtschaft, Arbeit, Gesundheit und Irak die Nase vorn. McCain besitzt hingegen auf zwei Sachfeldern einen Vorteil. Zum einen konnte er sich bei den Wählern mit seiner „Joe, the Plumber“-Kampagne deutlich stärker als der Mann für niedrige Steuern etablieren. Zum anderen gilt er weiterhin als der bessere Commander-in-Chief (47-33). Wir werden also von McCain in den letzten Tagen vor der Wahl noch einmal die übliche Stereo-Botschaft hören: „Obama ist eine unsichere Wahl für das Präsidentenamt und ein Staatsfetischist.“ Ob es noch etwas nutzen wird, bleibt offen. Zumindest wird schon jetzt deutlich, dass – abseits der finanziellen und organisatorischen Nachteile McCains - seine Auswahl von Sarah Palin und seine mäßigen TV-Duell-Auftritte entscheidende Faktoren für den Ausgang des Rennens sein könnten. Streit um Wahlrecht in OhioDonnerstag, 30. Oktober 2008![]() Tausende von Wählern in Ohion waren in der letzten Woche im Unklaren darüber, ob sie wahlberechtigt sind. Jetzt hat der republikanische Fundraising-Berater, David Myhal, seine Klage in Sachen Wahlrecht zurückgezogen. Er wollte am obersten Gerichtshof erreichen, dass die Staatssekretärin Jennifer Brunner die Legitimation von Briefwähler strenger überprüft. Kern der republikanischen Initiative war, nur Personen zur Wahl zu zu lassen, deren Legitimation in Form von Sozialversicherungsnummer oder Führerscheindaten zu 100% mit den Daten der Wahlregistrierung übereinstimmen. So sollte Wahlbetrug auch bei Briefwahlen strenger überprüft werden. Das neue Gesetz sorgte allerdings für großen Widerstand in der Bevölkerung, denn mindestens 200.000 der neu registrierten Wähler haben nicht übereinstimmende Daten, die oftmals auf simple Schreibfehler zurückzuführen sind. Besonders betroffen wären die Wähler, die sich sehr früh, möglicherweise schon während der Vorwahlen, registriert haben, als die strenge Kontrolle der Daten noch nicht zur Debatte stand. Wer damals unachtsam war, dem drohte, dass er nicht zur Wahl zugelassen wird. Über 660.000 Wähler haben sich in Ohio bereits während der Vorwahlen registrieren lassen. Die demokratische Staatssekretärin Jennifer Brunner bezeichnete die Klage als verschleierten Versuch, vielen Bürgern das Wahlrecht zu entziehen. Sie ist der Auffassung, dass die Republikaner in letzter Minute Verwirrung stiften wollen und freut sich, dass nun der Fall zurückgezogen wurde: "I am pleased that this matter has been withdrawn. Ohio boards of elections would have faced grave challenges to successfully administering orderly and fair elections had this court action been successful. While we do not believe the action had merit, the perils of litigation subject Ohio voters to a crisis in confidence and undue anxiety with every twist and turn of events.” (Jennifer Brunner) 30 Minuten Obama-TV-SpotMittwoch, 29. Oktober 2008
Ein 30-minütiger Obama-Spot wird am Mittwochabend um 20:00 Uhr auf CBS, MSNBC und NBC ausgestrahlt. Zur besten Sendezeit wird Barack Obama landesweit auf diesen Sendern zu sehen sein und sich zwischen das reguläre Fernsehprogramm schalten. Barack Obamas Tochter Malia, so erzählte Michelle Obama in der Tonight Show, hat schon gefragt, ob ihr Dad wirklich auf allen Sendern sein wird und auch ihre Sendung unterbrechen wird. Aber Barack Obama konnte sie beruhigen, Disney wurde nicht nicht gekauft.(Video Minute 2:30 – 3:05)
Die Obama-Kampagne hätte die Werbung gerne auf noch mehr Sendern geschaltet, bekam aber Absagen von ABC und CNN. So gab ein CNN-Pressesprecher bekannt: “We were approached by the Obama campaign and declined their request. We did not want to pre-empt our programming lineup with a 30-minute spot. We rather use our air to continue to cover the campaign, candidates and issues like we always do from all points of view with the best political team on television.” ABC dagegen argumentierte, dass sie die Werbung nicht gleichzeitug mit CBS, NBC und Fox schalten möchten. Nach Angaben von Fox News wurde der Sender gar nicht angefragt. Geld spielte bei dieser Kampagne offenbar keine Rolle. Barack Obama hat derzeit mehr davon, als er Sendezeit kaufen kann, denn die 30 Minuten kosten pro Sender 1 Million Dollar. Die Obama-Kampagne hat 660 Millionen Dollar Spenden eingenommen, das macht pro Kalendertag seiner Kandidatur 1 Million Dollar. Zum ersten Mal in der Geschichte haben die Demokraten am Ende des Wahlkampfes mehr Geld zur Verfügung als die Republikaner. Auch John McCains Budget ist beachtlich, 36 Millionen stehen für die letzte Woche seiner Kampagne zur Verfügung. Aber – Barack Obamas Etat ist doppelt so hoch. Kampf mit dem TelefonMittwoch, 22. Oktober 2008
Für Barack Obama und John McCain geht es jetzt in die ganz heiße Phase des Wahlkampfes. Und dabei hilft ein altes, aber immer noch sehr effektives Kommunikationsmittel: das Telefon.
Die Republikaner setzen in diesem Bereich immer noch die Standards. Am kommenden Samstag, den McCain zu einem „Super Saturday“ für seine Freiwilligen ausgerufen hat, probiert der Senator das neue Format des Town-Hall-Calls aus. Anhänger, die in seinem Internet-Mitmachportal „McCain Nation“ registriert sind, haben die Chance, einen Conference Call mit ihrem Kandidaten abzuhalten. Per Zufallsgenerator werden einzelne Anrufer ausgesucht, die McCain Fragen stellen dürfen. Der Rest der Teilnehmer nimmt zuhörend teil. Parallel dazu überziehen die Republikaner die Schlüsselstaaten mit sog. „automated phone calls“. Diese Anrufe mit Informationen vom Band sind billig und können massenhaft eingesetzt werden, um Wähler zu mobilisieren, bei denen das Telefon oft bis zu fünf- bis zehnmal am Tag klingelt. In der heißen Phase des Wahlkampfes haben diese Anrufe fast zu 100 Prozent negative Inhalte. Unter der Oberfläche der Öffentlichkeit fahren McCain und Co. harte Geschütze auf. Immer wieder werden Anrufer mit Informationen über die Verbindung Obamas zum ehemaligen Linksterroristen Bill Ayres versorgt. Obama hält seine eigene Telefonarmada dagegen. Explizit ruft er seine Anhänger per E-Mail auf, mit persönlichen Anrufen im Rahmen seines „Neighbor-to-Neighbor-Program“ telefonisch gegenzusteuern. In der Tat zeigen Studien, dass der Anruf eines Freiwilligen weitaus effektiver und glaubwürdiger ist als ein Anruf vom Band. Das Persönliche ist das Effektive! Auch am Telefon.
Blogeintrag von Kerstin Plehwe
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12:19
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Sarah Palin bei „Saturday Night Live“: Flopp oder Entertainer?Dienstag, 21. Oktober 2008![]() Seit Wochen ziehen die Palin-Imitatorin Tina Fey und Saturday Night Live Sarah Palin durch den Kakao. Am Samstag war Palin leibhaftig zu Gast in der Comedy-Show und erreichte traumhafte Einschaltquoten von 14 Millionen. Das ist die höchste Reichweite der Show seit 1994. Ein enormer Boost für McCains Wahlkampf könnte man meinen, doch am Erfolg ihres Auftritts scheiden sich die Geister. „Sarah Palin floppt in der Comedyshow“ titelte am Sonntag Spiegel Online in dem absolut lesenswerten Artikel ihres Außenkorrespondenten Marc Pitzke. Er empfand Palin als absolut humorfrei und ihre Performanz als bizarr. „Looking like a real Entertainer“ schrieb die New York Times am Montag. „Sarah Palin hat Humor bewiesen“ und zwar in einem Moment in dem das Land noch zweifelt, ob sie die geeignete Führungspersönlichkeit ist, resümiert die NYT-Journalistin Alessandra Stanley. Sie meint, dass Sarah Palin womöglich einige Demokraten für sich gewinnen konnte, die Palin vorher für eine engstirnig Fanatikerin gehalten haben, und spricht von einer wunderbaren Performance. Haben die beiden wirklich die gleiche Sendung gesehen? Am besten, Sie machen sich selbst ein Bild:
Blogeintrag von Kerstin Plehwe
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15:55
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McCain kämpft, Obama gewinntDonnerstag, 16. Oktober 2008
John McCain wusste um die Bedeutung des dritten TV-Duells. Es war seine letzte große Chance, das Rennen direkt und live vor einem Millionenpublikum zu wenden. Der 72-jährige gab alles. Er kämpfte, er attackierte, er wirkte energisch. Er setzte die Agenda des Abends.
Barack Obama musste hingegen nur eines tun: präsidentiell wirken. Und das tat er. Er ließ sich von John McCains Attacken nicht aus der Ruhe bringen oder in eine rhetorische Falle locken. Unerschütterlich und kühl stellte er sich den Angriffen seines Kontrahenten. Damit hatte er sein wesentliches Ziel erreicht. Nicht nur die unterschiedlichen politischen Philosophien der beiden Kandidaten wurden an diesem Abend an der Hoefstra University in New York deutlich, sondern auch deren unterschiedliche Kommunikationsstrategien. McCain hatte sich zwei Dinge vorgenommen, auf die er im Laufe der 90 Minuten immer wieder zurückkam. Zum einen wollte er Zweifel am Charakter von Obama streuen, in dem er ihn mit dem ehemaligen Links-Terroristen Bill Ayers und dem unlauteren Verhalten der links-progressiven Wählerregistrierungsorganisation ACORN in Verbindung brachte. Zum anderen versuchte er, Obama als „Big Spender“ - als ausgabesüchtigen Staatsgläubigen - hinzustellen, der einen Klassenkampf initiieren wolle, indem er auf Umverteilung anstatt auf angebotsorientierte Wirtschaftspolitik setze. Zur Unterstützung von McCains These musste ein Klempner namens Joe Wurzelbacher herhalten, der im Laufe der Debatte den liebevollen Namen „Joe the Plumber“ bekam. Joe hatte Barack Obama auf einer Wahlkampfveranstaltung offen seine Befürchtungen mitgeteilt, dass sein Handwerksbetrieb unter möglichen Rücknahmen von Steuererleichterungen für Einkommen über 250.000 Dollar leiden würde, die Obama fordert. McCain nahm Joes Ängste zum Anlass, um pathetisch über die Gefährdung des amerikanischen Traumes zu sprechen, die eine Wahl Obamas implizit bedeuten würde. Barack Obama nahm es gelassen. Er versicherte den Wählern, dass dies alles nicht stimme und er seinerseits Steuerkürzungen im Gepäck habe, die 95 Prozent der Mittelschicht zugute kommen würden. Immer wieder betonte der Demokrat geschickt, dass es einen grundlegenden Wandel zur Ära Bush/McCain geben müsse. Diese Botschaft schien auszureichen, um das TV-Duell als Sieger zu beenden. In einer Blitzumfrage des Nachrichtensenders CNN gaben 58 Prozent der Befragten an, Barack Obama habe das TV-Duell gewonnen, nur 38 Prozent sprachen sich für den aufopferungsvoll kämpfenden McCain aus. Zwar scheint die letzte Debatte die beste von McCain gewesen zu sein. Es wird aber kaum ausreichen, um das Rennen noch einmal grundlegend zu drehen. Hier ein Ausschnitt aus dem TV-Duell, bei dem besagter „Joe the Plumber“ im Mittelpunkt stand: Mobilisierung selbst (und leicht) gemachtMontag, 13. Oktober 2008
Mehr als 20 Tage vor der Wahl laufen die Mobilisierungsmaschinen der beiden Kampagnen bereits auf Hochtouren. In den entscheidenden Schlüsselstaaten wie Ohio dürfen Wähler mittlerweile per Briefwahl und in öffentlichen Ämtern wählen.
Dieses sog. „early voting“ wird immer beliebter bei den Bürgern. Deshalb findet Wählermobilisierung nicht mehr nur in den letzten 72 Stunden des Wahlkampfes statt. Schon drei bis vier Wochen vor dem eigentlichen Wahltermin geht es darum, die eigenen Unterstützer zur Stimmabgabe zu bewegen. Barack Obama hat zusammen mit dem Democratic National Committee rechtzeitig vor Beginn der heißen GOTV-Phase (Get-Out-the-Vote) ein interessantes Instrument entworfen, mit dem er die Wählermobilisierung demokratisieren will. Die Kampagnentools in die Hände seiner Anhänger zu geben, das ist die oberste Maxime Obamas. Dahinter steckt die gute und simple Idee, dass die eigenen Unterstützer die glaubwürdigsten Botschafter der Kampagne sind.
Über sein Interportal MyBo werden Obamas Freiwillige aufgerufen, am Neighbor-to-Neighbor-Programm teilzunehmen. Nach vier bis fünf Mausklicks hat man online die Daten von Wählern aus der unmittelbaren Nachbarschaft generiert, um sie zum Urnengang zu animieren – inklusive Adressen und Telefonnummern. Passend dazu stehen auch Flyer und Straßenkarten zur Verfügung. Ein Text, mit dem man potentielle Obama-Wähler ansprechen kann, wird frei Haus mitgeliefert. Ganz entscheidend für die Kampagne ist es jedoch, dass Freiwillige die Daten über ihre Wählerkontakte - im Sinne moderner Formen des Customer-Relationship-Managements - wieder online zurück an das Hauptquartier in Chicago melden. So weiß die Obama-Kampagne genau, welche Wähler entschieden oder noch unentschieden sind, wer noch nicht gewählt hat oder intensiver bearbeitet werden muss. Zur Animation findet sich oben auf der Seite des Volunteer Action Centers ein Ausspruch Obamas, der seine Kampagnenphilosophie auf den Punkt bringt: „This election is not about me… it is about you.“
Blogeintrag von Kerstin Plehwe
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12:38
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TV-Duell: Kein „Game-Changer“Mittwoch, 8. Oktober 2008
Selten fand ein TV-Duell zwischen zwei Präsidentschaftskandidaten in einer solch dramatischen Situation statt. Die Finanz- und Wirtschaftskrise bestimmt derzeit die Agenda und sie dominierte auch den gestrigen Abend in Nashville, Tennessee. Immer wieder betonten John McCain („worst economic crisis of our time“) und Barack Obama („worst financial crisis since the Great Depression“) das historische Ausmaß der Entwicklungen auf den globalen Finanzmärkten.
Die Krise hat den Wahlkampf massiv beeinflusst - und zwar deutlich zugunsten Obamas. National wie auch in den entscheidenden Schlüsselstaaten liegt der junge Senator vorne. Der Wunsch nach Wechsel, der Ärger über die marktliberale Politik der Republikaner um George W. Bush scheint auf dem Höhepunkt zu sein. Das hilft Obama. John McCain brauchte deshalb einen „game changer“, einen Wendepunkt, der den Wahlkampf noch einmal in seine Richtung lenkte. TV-Debatten können solche Momente sein. McCain bemühte sich redlich, aber er schaffte es nicht, die fundamentalen Koordinaten des Wahlkampfes neu zu bestimmen. Negativität und persönliche Attacken – also das Schüren von Zweifel an Obamas Person und Persönlichkeit – verbat sich McCain an diesem Abend. Und dies aus guten Gründen. Die Menschen im Land und im Studio verlangen nach Sachlösungen, nach Zusammenarbeit und Krisenmanagement, nicht nach dumpfem Negativwahlkampf. Nur einmal zeigte McCain seine Antipathie gegenüber Obama, als er ihn mit „der da“ („that one“) ansprach. Der 72-jährige Senator war bestrebt, in die Offensive zu gehen. Überraschend legte er einen Vorschlag auf den Tisch, der es dem Staat erlauben soll, schwächelnde Hypotheken von Hausbesitzern aufzukaufen und sie zu fixen Sätzen zu verzinsen. Immer wieder stellte sich McCain als erfahrener Mann der Tat dar, der unideologisch über die Parteigrenzen hinweg agieren werde und dies über Jahre im Kongress bewiesen habe. Obama bezeichnete er als Hyper-Liberalen, als „big spender“, als Steuergierigen, der nicht in der Lage sei, den Haushalt in den Griff zu bekommen. Barack Obama schienen diese Angriffe nicht aus der Ruhe zu bringen. Sie kamen ja auch nicht gerade unerwartet. Obama wusste, dass er zwei wichtige Dinge zu erledigen hatte während dieser Debatte. Zum einen musste er McCain mit der desaströsen Amtszeit George W. Bushs und mit dessen gescheiterter Wirtschaftspolitik in Verbindung bringen. Zum anderen kam es für ihn darauf an, präsidentiell zu wirken. Sein Ton, sein Habitus, sein fehlerfreies, aber mitfühlendes Auftreten sollten den Bürgern suggerieren, dass er in der Lage ist, das Land zu führen. Beides erledigte Obama mit Bravour. Erst im letzten Teil des Duells, als es um Fragen der Außenpolitik ging, geriet der Demokrat stärker in die Defensive. Aber zu diesem Zeitpunkt hatten bereits viele Zuschauer abgeschaltet. Ein Grund dafür war sicherlich das unvorteilhafte Duell-Format. Die Gäste im Studio hatten im Sinne des Town-Hall-Stils die Möglichkeit, eigene Fragen zu stellen. Mehr Interaktion mit den Kandidaten war aber leider nicht erwünscht und geplant. McCain und Obama bemühten sich zwar, auf die Anliegen der Fragenden einzugehen, aber insgesamt herrschte eine sehr kühle, steife Atmosphäre – vielleicht auch ein Resultat der düsteren Wirtschaftslage. No change, please – auf dem Land mag man es konservativMittwoch, 8. Oktober 2008
Der Economist schaut in dieser Woche nach Whitesburg, Kentucky - einem Ort mit 1.534 Einwohnern.
Astor Blair sitzt in einem alten Schaukelstuhl in seinem Vorgarten. Er hat einen majestätischen Ausblick auf die Appalachen und ein paar Zigarettenstummel auf der Erde neben sich. Er sagt, dass er nicht für Obama wählen wird, weil die Demokraten immer alles auf den Kopf stellen wollen. Blair ist der Meinung, dass es schief geht, wenn sich gleich zu viel ändern soll. Ein Zug mit Kohle donnert vorbei. Die Demokraten wollen auf die Kohle verzichten und stattdessen „Windräder auf jeden Acker stellen und die Landschaft verschandeln“ grummelt er. „Es wird eine Menge Geld kosten und nicht funktionieren.“ Astor Blair befürchtet, dass Barack Obama die Steuern der Reichen erhöhe und damit der Wirtschaft schade. Auch in sozialen Fragen bezweifelt er, dass ein Politikwandel das Land zum Besseren verändere. Homoehe unterstützt er zwar nicht, aber er will sie auch nicht verurteilen, Abtreibung allerdings kann er nicht tolerieren. „Wer hat das Recht über das Leben eines anderen zu entscheiden?“ Eine neue Meinungsumfrage des Centers for Rural Strategies, einem Think Tank in Whitesburg, beziffert John McCains Vorsprung bei der ländlichen Bevölkerung auf 10% in den so genannten Swing States. Die Meinungsumfrage wurde in den New Hampshire, Pennsylvania, Ohio, Michigan, Wisconsin, Iowa, Minnesota, Missouri, Florida, Virginia, Colorado, New Mexiko und Nevada durchgeführt. Noch größer ist der Beliebtheitsvorsprung von Sarah Palin bei der Landbevölkerung, 65% der ländlichen Wähler in Swing States fühlen sich von ihren Werten vertreten. Obama auf dem Weg zum Sieg?Donnerstag, 2. Oktober 2008
In der Politik, speziell in Wahlkämpfen, ist ein Monat eine halbe Ewigkeit. 33 Tage sind es noch bis zum Wahltag. Viel kann passieren, viel kann gelingen, viel kann schief gehen. Die Intensivierung der Banken- und Wirtschaftskrise scheint das Rennen zwischen John McCain und Barack Obama aber nachhaltig zu verändern. Egal, ob man auf die Durchschnittswerte bei realclearpolitics.com (Obama +5,3%) oder auf die Poll of the Polls des Nachrichtensenders CNN (Obama +6%) schaut, Obama hat sich in den vergangenen Tagen deutlich von seinem Herausforderer McCain absetzen können.
Noch vor einem Monat hatte es McCain erfolgreich verstanden, dass Rennen zu einer Charakterfrage zu machen, indem er den Fokus der Wähler auf eine Frage lenkte: „Who is Barack Obama?“ Nun kommt das politische und ökonomische Umfeld, in dem die Wahl stattfindet, mit voller Wucht in den Wahlkampf zurück. Und dieses Umfeld stärkt die Umfragewerte der Demokraten, die die natürliche Schutzklientel der kleinen Leute darstellen. Klein fühlen sich in der derzeitigen Krise viele Amerikaner. Auch ein Blick auf die Schlüsselstaaten dieser Saison müsste die Obama-Kampagne ruhiger machen. In Colorado liegt Barack Obama mittlerweile mit 5 Prozentpunkten vorne, in New Mexico mit sechs, in Ohio mit zwei. In Virginia, das in den vergangenen Jahren immer mehr zu den Demokraten tendierte, führt Obama im Schnitt mit 2,5 Prozentpunkten. Die neueste CNN/Time-Umfrage sieht ihn dort sogar mit 53 zu 44 Prozent deutlich gegen McCain in Front. Die größte Bewegung gab es jedoch in Florida. Diesen Staat hatten die Demokraten bereits abgeschrieben. Jetzt liegt Obama dort mit 3 bis 4 Prozent vorne.
Es sieht alles nach einem Erfolg von Barack Obama aus. Aber natürlich überlässt der Senator nichts dem Zufall. Gestern schickte die Kampagne einmal mehr einen Aufruf per E-Mail herum, in der sie ihre Unterstützer aufrief, verstärkt unentschlossene Wähler anzurufen, um sie von Obama persönlich – one-on-one - zu überzeugen. Die Telefondaten lassen sich bequem über die Homepage des Kandidaten herunterladen und von zu Hause abtelefonieren.
Golden WeekMittwoch, 1. Oktober 2008
Kann eine Gruppe von progressiven Selbst-Organisierten mit ein paar hundert Bussen 10.000 Stimmen für Barack Obama gewinnen?
Die Bloggerin Nancy Scola berichtet von der Vote Today-Kampagne in Ohio. In der Golden Week, die am Montag begann und bis zum 6. Oktober andauert, kann jeder Bürger Ohios sich registrieren lassen UND zugleich wählen. Zu diesem Zweck fahren Busse durch den US-Bundesstat, die jeweils mindestens 250 Stimmen für Obama erkämpfen sollen. Mit Hilfe von ActBlue hat die Kampagne schon 42.329$ Spenden eingeworben. Das reicht für 62 Wahlkampfbusse. Die Republikaner in Ohio protestieren derweil gegen die Golden Week. Sie befürchten durch den Wahlvorgang in einem Schritt eine Häufung von Betrügereien. Die Demokraten dagegen machen freudig Gebrauch von der Golden Week, schließlich vermeiden sie auf diese Weise lange Schlangen vor denWahllokalen. Besonders die begehrten Erstwähler werden von der frühzeitigen Stimmabgabe angezogen. Zu der Zielgruppe der Golden Week gehören neben Universitäten auch die urbanen Gegenden von Columbus, Cleveland, Cincinnati, Dayton und Toledo. Der Vorteil der Kampagne liegt darin zu vemeiden, dass neue Wähler sich zwar registrieren, aber am Ende doch nicht ihre Stimme abgeben. Im Daily Kos sagt OrangeClouds115: "I would rather give my money to this campaign instead of directly to Obama because I know it's going EXACTLY where it is most needed and actually resulting concretely in votes."
Blogeintrag von Kerstin Plehwe
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