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The Multitasking of a PresidentDonnerstag, 25. September 2008
Es war spannend, gestern bei CNN dabei zu sein. Das Zeichen „Breaking News“ wird sicherlich viel zu inflationär gebraucht. An diesem historischen Abend hatte es aber seine Berechtigung. John McCain – bekannt für seine schnellen, irrationalen Entscheidungen - zog einmal mehr ein Kaninchen aus dem Zauberhut seiner Kampagne. Er setzte seinen Wahlkampf bis auf weiteres aus. Die für Freitag geplante TV-Debatte mit Barack Obama legte er auf Eis.
Was war geschehen? Barack Obama hatte John McCain am Morgen angerufen, um ihn von der Idee zu überzeugen, zusammen ein Papier zur Finanzkrise zu veröffentlichen, das die gemeinsamen Positionen der beiden Kandidaten beinhalten sollte. McCain fand die Idee gut, aber er merkte sofort, dass ihm Obama damit das Heft des Handelns aus der Hand genommen hatte. Und das vor dem Hintergrund fallender Umfragewerte für ihn und Berichten über die Geschäftverbindungen seines Kampagnenmanagers Rick Davis mit dem Hypothekenriesen Fannie Mae. Also fühlte sich McCain bemüßigt, seinerseits in die Offensive zu gehen. Sein Schachzug machte oberflächlich gesehen Sinn. McCain bewegte sich mit dieser Aktion ganz im Rahmen seiner Botschaft des „America First“. Sein Motto lautete in etwa so: „Wir können nicht Wahlkampf machen in einem Moment, in dem uns das Land braucht. Wir müssen zurück nach Washington, um einen überparteilichen Beitrag dazu zu leisten, einen Rettungsplan für die angeschlagene Kreditbranche aufzusetzen. Und debattieren macht in diesem Umfeld auch keinen Sinn.“ Das setzte Obama unter Druck. Immer wieder wurde seine Pressekonferenz verschoben. Aber natürlich blieb CNN dran. Irgendwann erschien der junge Senator schließlich. Er legte eine sonore, tragende Stimmlage auf, die das Bild eines ruhigen und gelassenen Politikers in Zeiten der Krise vermitteln sollte. Obama sprach sich gegen ein Aussetzen der Wahlkampfaktivitäten aus und lieferte dafür zwei gute Gründe. Zum einen wollten die Bürger des Landes doch gerade jetzt von den beiden Kandidaten hören, wie sie die Krise lösen können. Guter Punkt. Zum anderen müsse ein Präsident doch in der Lage sein, mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen, er sollte multitasking-fähig sein. Noch besserer Punkt. Auch in Washington mehrten sich derweil bereits die Stimmen, die vor dem großen Auftritt der Präsidentschaftskandidaten warnten. In der Tat ist die Gefahr groß, dass die Auftritte von McCain und Obama die Verhandlungen eher verzögern als voranbringen. Egal: Es stellte sich bald heraus, dass die beiden Kandidaten heute keine andere Wahl haben als nach Washington zu reisen. Der Präsident, der am Abend die Nation noch mit warnenden Worten auf seinen Rettungsplan eingeschworen hatte, lud zur Aussprache in Weiße Haus, die zusammen mit den Parteiführern im Kongress stattfinden soll. Eine konzertierte Aktion mit der McCain-Kampagne? Man darf sich diese Frage durchaus stellen… Obama wird persönlichMittwoch, 17. September 2008
Barack Obama wollte eine explizit positive Kampagne zu führen. Er nahm sich vor, einen neuen kommunikativen Stil zu prägen, der ohne dumpfen Negativwahlkampf, ohne Verdrehung von Tatsachen, ohne Hin und Her von Anschuldigung und Gegen-Anschuldigung auskommen sollte. Er weigerte sich, die üblich zynische Spin-Doctor-Kampagne zu machen, den die professionelle Beraterkaste in Washington, DC seinen Kandidaten regelmäßig verordnete. Der Bruch mit dem alten Wahlkampfparadigma sollte radikal sein.
Nach zwei Monaten der harten Attacke von Seiten John McCains und der Republikaner wird nun auch Barack Obama persönlicher. Seine beiden letzten Wahlkampfspots sind ein Beleg dafür, dass der junge Senator, der als Gutmensch in das Haifischbecken Wahlkampf gestiegen war, nun auf dem Boden der Tatsachen angekommen ist, der da heißt: „Negatives drive the numbers“ – Negativwahlkampf wirkt! Im Spot „Honor“ greift Obama McCain für seine unlauteren Attacken an und schließt mit dem Satz: „Deception is all he has left.“ Der Spot „Still” macht sich offen über McCains Alter und Rückständigkeit lustig. Die implizite Botschaft: Dieser Mann ist „out of touch“ und viel zu alt, um Präsident zu werden. Die Kandidaten und die BörseDienstag, 16. September 2008
Die Finanzkrise hat nicht nur die Börsen dieser Welt fest im Griff, sondern auch den Präsidentschaftswahlkampf in den USA. Beide Kandidaten sind keine ausgesprochenen Kenner der Finanzwelt, auch wenn die Wall Street zu ihren größten finanziellen Unterstützern gehört.
John McCain und Barack Obama unterscheiden sich in ihren Ansätzen zur Lösung der Krise nur wenig voneinander. Generell möchte Obama jedoch etwas mehr staatliche Regulation und Oberaufsicht über Investmentbanken, Hypothekenhändler und Hedge Fonds. Er sprach sich u.a. für eine neue Regierungsbehörde aus, die den Finanzsektor beobachtet und an das Weiße Haus und den Kongress berichtet. Auch wenn McCain punktuell schärfere Kontrolle in Aussicht stellt, so setzt er etwas stärker auf die Selbstheilung des Marktes, ganz im Sinne der marktliberalen Philosophie seiner Partei. Was sind die politischen Konsequenzen der Krise? Sie kann Barack Obama helfen, in diesem Wahlkampf wieder in die Offensive zu gehen. Lange Zeit hatte es McCain geschickt verstanden, das Rennen zu einer Charakter- und Persönlichkeitsfrage zu machen. Der Patriot gegen den elitären Superstar, so hieß seine Leitlinie. Die Finanzkrise erlaubt es Obama nun, die Sicht der Wähler wieder auf das Umfeld zu richten, in dem diese Wahl stattfindet. Dieses Umfeld wird bestimmt von den Themen: Wirtschaft, Wirtschaft und Wirtschaft. In einem Statement von heute morgen schnürte Obama bereits ein zitierfähiges Paket. Er gab zu Protokoll: „I certainly don’t fault Senator McCain for these problems, but I do fault the economic philosophy he subscribes to.“ Washington Post-Journalist Chris Cillizza führt auf seinem Blog „The Fix” fünf Ratschläge auf, wie Obama die Krise politisch nutzen kann. Unter anderem schlägt er dem Senator vor, sich mit der Belegschaft der Investmentbank Lehman Brothers zu treffen, eine zweitägige Tour durch den kriselnden Staat Ohio zu machen oder eine Nacht im Haus einer Familie zu verbringen, die von der Hypothekenkrise betroffen ist. Sicher keine schlechten Ideen. Wichtig ist aber, dass Obama die Chance nutzt, um den Wählern vor Augen zu führen, dass es bei dieser Wahl um mehr geht als nur um Personen, will heißen: um Arbeitsplätze und das eigene Portemonnaie. Wahlkarte zum SelbermachenFreitag, 12. September 2008
270. Das ist die magische Zahl für Barack Obama und John McCain. Wer 270 oder mehr Stimmen im Electoral College beisammen hat, der wird Präsident der Vereinigten Staaten. Alles andere zählt nicht. Daher ist der Kampf um die sog. „battleground states“ - die Schlüsselstaaten, die über Sieg oder Niederlage entscheiden - mittlerweile voll entbrannt.
Kann Obama auch ohne die 20 Stimmen aus Ohio gewinnen? Mit zusätzlichen Wahlmännern aus Virginia, Colorado und New Mexico könnte es gehen. Was passiert in Indiana? Ist Florida schon an McCain verloren? All diese Fragen werden in den nächsten Wochen immer relevanter. Der Meta-Umfragedienst RealClearPolitics, ein Geheimtipp unter politischen Junkies, hat deshalb eine virtuelle Wahlkarte zum Selbstgestalten im Angebot. Man kann sich hier online sein eigenes Wahlergebnis zusammenreimen. Ich kam beim ersten Durchgang erstaunlicherweise auf ein Unentschieden: 269-269. Träte dieser Fall ein, dann käme das Repräsentantenhaus ins Spiel. Es müsste dann über den Präsidenten abstimmen. Das passierte zuletzt 1824, als damals vier Kandidaten die absolute Mehrheit im Electoral College verfehlten. Nach den derzeitigen Mehrheitsverhältnissen würde sich Barack Obama durchsetzen…
McCain mit RückenwindDonnerstag, 11. September 2008
Kampagnen sind Kämpfe um Konstruktionen. Sie sind verdichtete Beschreibungen, es geht um das pointierte Argument, nicht um endgültige Wahrheiten. Das zeigt einmal mehr John McCain. Auf dem Parteitag scheint er eine passende – Theoretiker würden sagen „viable“ - Konstruktion gefunden zu haben.
Zusammen mit seiner neuen Vize-Wunderwaffe Sarah Palin geriert er sich in den letzten Tagen konsequent als Reformer und Washingtoner Außenseiter. Der selbst ernannte "Maverick" bezeichnet das Milieu, in dem er selbst seit über 26 Jahren gewirkt hat, als „old, do-nothing crowd.“ Auch Brückenbauer zwischen den beiden politischen Lagern will McCain sein. Er denkt sogar offen darüber nach, mehrere Demokraten in seine zukünftige Administration zu holen. Reform, Brücken bauen …? Auf diese Themen hatte Barack Obama doch bereits sein Patent angemeldet. McCain ist das egal. Gezielt versucht er, Obamas Stärken zu dekonstruieren, indem er sich - mit viel Chuzpe - selbst den Mantel des Reformers überstülpt. Bisher ist er damit erstaunlich erfolgreich, trotz konservativem Mainstream-Programm und 90 Prozent Zustimmungsrate zu Bushs Politik. Der Kampf um das Schlagwort des Jahres ist eröffnet. Es geht um Change, Change, Change… Was das heißt, halten beide Kandidaten sehr vage. Obama genauso wie McCain. Interessant ist, dass Obama – im Gegensatz zu McCain - ein handfestes Programm für einen echten Wandel hätte. Universelle Krankenversicherung, grundlegende Reform der Zuwanderung, Ende der Bush-Steuerkürzungen für Reiche, konsequentes Umsteuern bei Klima und Energie. Der junge Senator scheint aber erstaunlich zögerlich, diese Punkte selbstbewusst zu vertreten. Einmal mehr lässt er sich vom republikanischen Wohlfühl-Patriotismus-Kleinstadt-Werte-Wahlkampf in die Ecke drängen. Dazu passen die neuesten Umfragen. Laut Washington Post ist Obamas Vorsprung nach dem Parteitag komplett weg geschmolzen. Er liegt denkbar knapp mit 47 zu 46 Prozent vor McCain. Andere Umfragen von CBS und NBC zeigen den alten Haudegen sogar mit zwei Prozent vor Obama. McCain hat Rückenwind. Keine Frage. Der Grund dafür ist aber nicht unbedingt seine intensivierte Reformrhetorik, sondern ganz schlicht und einfach Sarah Palin. Bei weißen Frauen hat McCain in den letzten Tagen ein Defizit von acht Prozentpunkten in einen Vorsprung von zwölf Prozent umwandeln können. Die selbst ernannte „hockey mom“ bringt den Wandel. Zumindest in den Umfragen. Waschzettel für McCainMittwoch, 3. September 2008
„Gustav“ mischte den Parteitag der Republikaner weniger auf als befürchtet. Da sorgte schon eher die Nachricht für Unruhe, dass die 17-jährige Tochter von John McCains Vizekandidatin Sarah Palin schwanger UND unverheiratet ist. Aber auch dieser mediale Sturm im Wasserglas wird schnell abziehen.
So geht die Show nach dem ursprünglichen Fahrplan weiter. Präsident Bush, formal immer noch der Führer der Partei, sprach gestern per Video-Schalte zu den Delegierten, direkt aus dem Weißen Haus. Besser hätte es für John McCain nicht laufen können. So wenig Bush wie möglich, so lautet die heimliche Maxime. Der parteilose Senator Joe Lieberman trat auf und pries seinen langjährigen Freund für dessen politische Verdienste und Überparteilichkeit. Schauspieler-Politiker Fred Thompson hatte ein paar launige Attacken gegen Obama und die Demokraten im Gepäck. Heute spricht Sarah Palin. Morgen steht dann die mit Spannung erwartete Rede von John McCain auf dem Programm. Wir wollen einen Ausblick auf die wichtigsten Botschaften geben, die McCain kommunizieren wird: 1) ICH BIN DER ECHTE REFORMER: McCain verspricht den SICHEREN politischen Wechsel und stellt Obama als zu gewagte Variante des Wandels heraus. "Change you can trust" könnte sein Motto lauten im Gegensatz zu Obamas "change you can believe in". 2) ICH BIN UNABHÄNGIG. McCain wird sein Image des unabhängigen Politikers weiter kultivieren. Das Motto heißt: „I am my own man“. Obwohl er nur in wenigen Punkten von der Politik George W. Bushs und vom republikanischen Mainstream abweicht, hat McCain die Aura des Mavericks nicht verloren. Diese Ausrichtung ist sexy. Wir lieben Politiker, die unabhängig und authentisch sind, die sich nicht von der eigenen Partei, von Umfragen oder von Medien leiten lassen. 3) ICH BIN BEREIT FÜR POLITISCHE FÜHRUNG. McCains langjährige Politikertätigkeit ist ein Nachteil, weil sie impliziert, dass er schon zu lange Teil des Establishments ist. Er kann sie aber in einen Vorteil umwandeln, wenn er sie mit Obama kontrastiert, ihn also als politisches Leichtgewicht hinstellt und die simple Frage stellt: „Who is ready to lead?“ Was hat sie, was er nicht hat?Dienstag, 2. September 2008
Sie ist jung, extrem konservativ und technikfreundlich - damit kompensiert sie alle Defizite John McCains. Aber die Clinton-Anhänger wird Sarah Palin nicht in ihr Lager ziehen.
Der 72-jährige John McCain hat im Wahlkampf stark mit seinem Alter zu kämpfen. Nicht, dass er sich als schwach und gebrechlich erweisen würde. Dennoch wird ihm Skepsis entgegengebracht und die Sorge, er könne das Ende der Amtszeit nicht mehr erleben. Umso wichtiger ist, dass seine Vize im Falle eines Falles sofort das Präsidentenamt übernehmen könnte. Das kann man beim besten Willen nicht über Palin sagen. Die 44-jährige Sarah Palin ist nicht nur jünger als Barack Obama, sondern auch unerfahrener. Sie bringt weniger als zwei Jahre Erfahrung als Gouverneurin von Alaska mit, einem Staat mit weniger als einer Million Einwohner. Die Zielgruppe der evangikalen Rechten begrüßt Palin uneingeschränkt. Sie bezeichnet sich selbst als konservative Republikanerin und bezieht zu den Wertefragen Abtreibung und Stammzellenforschung wesentlich klarer Stellung als John McCain. Selbst James Dobson, einer der Führer der christlichen Rechten und bisheriger McCain-Gegner, kündigte an, er könne nun doch einen republikanischen Präsidenten wählen. An Glaubwürdigkeit mangelt es ihr wahrlich nicht, Sarah Palin lebt die konservativen Werte, denn sie ist selbst Mutter von 5 Kindern und ihr jüngstes Kind leidet am Down-Syndrom. Selbst die 17-jährige Tochter, die soeben für Schlagzeilen sorgte, weil sie im im 5. Monat schwanger ist, wird nun heiraten und das alte Ordnungsmodell wieder herstellen. Was Technikfreundlichkeit und Offenheit für das Internet betrifft, so ist Sarah Palin McCain weit voraus. Das jedenfalls berichtet die Bloggerin Nancy Scola auf der Website von TechPresident. Demnach hat Sarah Palin sich für Alaska's Check Book eingesetzt, eine Website, die staatliche Aufträge und Geschäfte transparent macht. Palin scheint moderner Technologie auch im Alltag zugetan, zumindest der, die man in die Hosentasche stecken kann. Auf dem Foto ist die Kandidatin für das Vizepresidentenamt mit ihrem wenige Wochen alten Sohn in der einen und einem Mobiltelefon in der anderen Hand, während das Blackberry vor ihr liegt. Wie hierzulande Ursula von der Leyen gelingt es Sarah Palin, Karriere und ein konservatives Mutterbild zu vereinen. Doch sie ist keine Hillary Clinton, die auch die Kompetenz für das Präsidentenamt mitbringt. Allein deshalb dürfte McCains Rechnung nicht aufgehen, die gender-motivierten Hillary-Unterstützer mit Sarah Palin auf seine Seite zu ziehen. Die globale ShowFreitag, 29. August 2008![]() Am Sonntag endeten die olympischen Spiele in Peking mit einem riesigen Spektakel. Und mit dem, wofür die Chinesen berühmt sind, nämlich einem Feuerwerk. Schon am Montag setzte sich die Show für die Betrachter der Weltbühne fort - mit dem Parteitag der Demokraten in Denver. Hier haben die Amerikaner gezeigt, was sie besonders gut können: Große Gefühle zeigen. Neben der perfekten technischen und medialen Inszenierung hatten alle prominenten Redner, Hillary und Bill Clinton, Michelle und Barack Obama, sowie der neue Vize Joe Biden eines gemeinsam: Sie räumten den Emotionen einen großen Stellenwert ein. Ein jeder begann seine Rede mit einer Aufzählung der privaten Rollen, die er oder sie abdecken. Sie ließen es sich nicht nehmen zu betonen, dass sie auch als Tochter, Bruder und vor allem als liebende Eltern sprechen. Selbst Obamas Tochter warf ihrem Dad auf der Bühne ein „I love you“ zu. Das Thema Kindheit und Elternschaft wurde mit zahlreichen Anekdoten von jedem Redner als Bild bemüht, um ihre ur-amerikanischen und demokratischen Werte wie Fleiß, Ehrgeiz und „Zuversicht in den amerikanischen Traum“ zu transportieren.
Den Höhepunkt der großen Show bot gestern Abend Barack Obamas Rede im Footballstadion von Denver vor fast 80.000 Gästen, etwa so vielen wie das Pekinger Olympia-Stadion fasst. Seine Rede, das war schon im Vorfeld klar, hatte historische Bedeutung, denn sie ereignete sich auf den Tag genau 45 Jahre nach Martin Luther Kings Rede „I have a dream“, die der Bürgerrechtsbewegung in den USA zum Durchbruch verhalf. Barack Obama enttäuschte sein Publikum nicht. Mit einer seiner brilliantesten Reden nahm er die Zuschauer für sich ein. Alle Sorgen, das Footballstadion und seine Bühnenshow - auch hier Konfetti und Feuerwerk inklusive - könnte das Image des Popstars schüren, welches John McCain seit Wochen ins Lächerliche zu ziehen versucht, sind dahin. Die einzige Waffe, die John McCain jetzt noch ziehen kann, ist sein eigener Parteitag. Und der folgt schon morgen. The Show must go on. Hillary At Her BestMittwoch, 27. August 2008
Es war ein emotionaler Tag für Hillary Clinton und ihre Anhänger. Gerne hätte die Kandidatin am Donnerstag gesprochen, um die Nominierung ihrer Partei anzunehmen. So blieb ihr nach der verlorenen Vorwahl nur der 20-minütige Prime-Time-Spot am Dienstag vorbehalten. Allerdings hätte dieser 26. August nicht symbolbeladener sein können, ist er doch der offizielle der Tag der Gleichberechtigung und der 88. Jahrestag der Einführung des Frauenwahlrechts in den USA.
Auch wenn Michelle Obama noch in ihrer Rede am Montag deutlich gemacht hatte, dass die viel beschworene gläserne Decke für Frauen in den USA durch Clinton und ihre Kampagne 18 Millionen Sprünge bekommen habe, so blieb doch ein fader Beigeschmack bei vielen Hillary-Unterstützern übrig. Sie dachten sicherlich: „Sprünge sind ja schön, aber Barack Obama verhinderte, dass die Decke komplett gesprengt worden ist.“ Nun zu Clintons Rede. Sie machte alles richtig. Die Ex-First Lady gab eine eindrucksvolle Unterstützungserklärung für Obama ab („Obama is my candidate“). Sie machte deutlich, dass es ab jetzt um mehr geht als um ihre Person, ergo: um die richtigen Problemlösungen für das Land ("Whether you voted for me, or voted for Barack, the time is now to unite as a single party with a single purpose. And you haven’t worked so hard over the last 18 months, or endured the last eight years, to suffer through more failed leadership”). Gleichzeitig griff Clinton das Duo John McCain und George W. Bush frontal an („it is hard to tell them apart“). So weit, so gut. Was den geschulten Beobachter aber ins Mark traf, war die Qualität von Clintons Rede. Jetzt erst, nach der bitteren Niederlage gegen Obama, scheint sie ihre Stimme gefunden zu haben. Wie weggeblasen schienen die künstlich wirkenden Auftritte der Sachpolitikerin, die auf ihre Stärke und Erfahrung setzte und dabei die emotionale Ansprache der Wähler vergaß. Hillary war witzig, rhetorisch auf der Höhe, Gestik und Mimik passten, sie war einfühlsam und bissig zugleich. In der Tat schien sie wie verwandelt. Eine Frage hat viele Zuhörer an diesem Abend sicher beschlichen: What if? Was hätte möglich sein können, wenn sie von Anfang an so aufgetreten wäre? Hier die komplette Rede in drei Teilen: Teil 1: Teil 2: Teil 3:
Blogeintrag von Kerstin Plehwe
um
14:23
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Ein Fest der Demokratie – Vor-Ort-Eindrücke der DNC in DenverMontag, 25. August 2008
Die „Democratic National Convention“, der Nominierungsparteitag der Demokraten, öffnet heute ihre Türen. Tausende von Delegierten, Pressevertreter und Anhänger der Demokraten diskutieren die amerikanische Politik der Zukunft. Anders als auf deutschen Parteitagen, bei denen Antragskommissionen wochenlang im Voraus die Inhalte des Parteitags bestimmen, leben hier Tausende von amerikanischen Bürgern Politik, indem sie ihre Meinung äußern: auf Plakaten, in Demonstrationen, mit Flugblättern, die überall in der Stadt verteilt werden, und in unzähligen „special events“.
Viele verfolgen die Reden und Diskussionen des Parteitages online oder auf Videoleinwänden, die vor dem Pepsi-Center aufgebaut sind. Denver ist sozusagen ein Parteitag der offenen Türen. Aber nicht nur im eigentlichen Veranstaltungsraum, sondern über die ganze Stadt verteilt sind Stände und Informationspunkte, an denen NGOs und Bürgerbewegungen für ihre Sicht Position beziehen. Mit Engagement und Leidenschaft formulieren sie in über 1000 Veranstaltungen Perspektiven und Botschaften, die sie ihrem Kandidaten Barack Obama mit auf dem Weg im Kampf um das Präsidentenamt geben. Diese Woche ist ein Fest der Demokratie, eine Selbstbestätigung Amerikas, dass Politik nicht nur von oben, sondern vor allem von unten, von den Menschen selbst - im Dialog miteinander und mit den Verantwortlichen - gestaltet wird. Ein Aspekt, der uns Deutschen Mut und Lust zum Engagement machen sollte. Aber auch ein Zeichen für die Politik, ihre eingefahrenen Wege zu verlassen und die Türen für die Bürger und ihr Engagement weit zu öffnen. Obamas VizeSamstag, 23. August 2008
Die Bekanntgabe von Barack Obamas Vizepräsidenten spannt nicht nur die Amerikaner auf die Folter. Seit Obamas Kampagne verkündete, dass die Neuigkeit per SMS versendet wird, herrscht angespanntes Warten bei allen, die sich für diesen Info-Dienst registriert haben. Die 31-jährige Alice Marwick, die in Manhattan studiert, ist eine von ihnen und hat schon eine SMS erhalten, die sie in Aufregung versetzte:
„Thank you for your support. Barack wants you to know he has chosen Hillary Clinton as his VP.“ Erst als sie im Internet recherchierte, stellete sich heraus, dass es sich um einen Scherz handelte. Wer dahinter steckt, ist bislang unbekannt, aber Alice Marwick, die an der New York University im Fach Neue Medien promoviert, vermutet den Hacker in ihrem Freundeskreis. Sie sagt, diese Aktion zeige einfach, wie leicht es ist, die Technologie zu überlisten. Ein aussagekräftigerer Hinweis auf Barack Obamas Vizepräsidenten könnte eine E-Mail sein, die angeblich aus der Obama-Kampagne an die Huffington Post gelangte.Nach Angaben der Online-Zeitung sind bereits T-Shirts und andere Obama-Biden Kampagnen-Artikel am Donnerstag verschickt worden. "Obama-Biden campaign items will be posted on Thursday, Aug. 21, 2008." Schenkt man diesen Spekulationen Glauben, wäre Joe Biden, den wir in dieser Woche als den Anwärter mit der größten Chance auf dasVizepräsidentenamt ausgemacht haben, tatsächlich ausgewählt. Fundraising durch Dich und michDienstag, 19. August 2008
Bisher war klassisches Fundraising vor allem besser verdienenden, gesellschaftlich gut vernetzten Zeitgenossen oder professionellen Spendensammlern vorbehalten. Mit einem äußerst egalitären Web 2.0-Ansatz, entwickelt von der progressiven Internetgruppe ActBlue, zieht Barack Obama diese alte Wahrheit nun in Zweifel. Sein Ziel: Jeder noch so unbedarfte Unterstützer kann ein Spendensammler sein. Auf my.barackobama.com hat jeder Nutzer die Chance, eine eigene Fundraising-Homepage für den Kandidaten zu erstellen und ruft dann Freunde und Bekannte zum Spenden auf. Nach vier Mausklicks ist man in der Regel offizieller Fundraiser, inklusive eigener Zielmarke und eigenem Aktivitätsindex.
Kurz vor dem offiziellen Start in den Hauptwahlkampf hat das Team Obama nun einen institutionellen Rahmen für seine Spenderhelden an der Basis geschaffen. In das Grassroots Finance Committee wird in Zukunft jeder Laien-Fundraiser aufgenommen, der es vermag, mehr als 1.000 Dollar an Spenden für den Kandidaten einzutreiben.
Hier ein Video von der erfolgreichen Grassroots-Fundraiserin Michelle: McCains Kampagne wird aggressiver - mit Steve Schmidt an der SpitzeFreitag, 15. August 2008
Einen härteren Stil bringt seit kurzem Steve Schmidt, McCains neuer Kampagnenchef, in den Wahlkampf. Gelernt hat Schmidt sein Handwerk bei Karl Rove, einem der engsten Berater von George W. Bush.
![]() Steve Schmidt Die Videos „The One“ und „Celebrity“, die wir in der letzten Woche vorgestellt haben, zeigen, wohin der neue Kurs geht. Schmidts bewährte Strategie lautet: Verkehre die Stärken des Gegners ins Gegenteil. Im Falle Obamas greift er nun dessen Eloquenz und Popularität an. Mit dieser Methode zersetzte er bereits vor vier Jahren den militärischen Lebenslauf von John Kerry. Der Republikaner Schmidt leitete damals den so genannten „War Room“ des Wahlkampfes. Schmidt war auch aktuellen Wahlkampf im engeren Zirkel McCains, erhielt aber nun die zentralen Aufgabenbereiche politische Strategie, Bündnisse, Zeitmanagement und Kommunikation. Jeden Morgen um Punkt acht Uhr stimmt Schmidt die Wahlkampfmaschine der Republikaner mit einer „Botschaft des Tages“ ein. Wer von dieser Linie abweicht, muss mit Ärger rechnen und selbst John McCain soll sich den strengen Ansagen seines Kampagnenchefs unterwerfen. Sein Kontakt zur Presse wurde reduziert und der direkte Draht zum Handy des Kandidaten eingeschränkt. Alte McCain-Vertraute sorgen sich derweil, Schmidts rabiate Botschaft verbiege den Kandidaten und schade seinem Image als Freidenker. Obama als Antichrist?Dienstag, 12. August 2008
Eine neue Strategie der Republikaner versucht mit rhetorischen, visuellen und audiovisuellen Mitteln Obama als Antichristen zu stilisieren. Ein Instrument dafür war der T-Shirt Wettbewerb anlässlich von Obamas World Tour 2008, von dem ich in der letzten Woche berichtet habe.
Bahnhofsmission Bonn ![]() T-Shirt Wettbewerb Noch tiefgründiger sind die Beobachtungen des TechPresident Bloggers Micah L. Sifry, der in dem Video "The One", eine zweite Ebene entdeckt. Auf den ersten Blick scheint McCain die messianische Inszenierung Obamas und die Menschenmenge, die sich um ihn versammelt hat, zu belächeln. Die linke christliche Organisation Matthew 25 entdeckte jedoch eine weitere Lesart dieses Videos, das voller versteckter Botschaften ist und Obama als Antichristen bezeichnet. Danach bezieht sich das Video auf die Left Behind-Serie, einer Reihe von Bestseller-Romanen, die von 44 Millionen Amerikanern gelesen wurde und in denen das Ende der Welt beschrieben wird. Die McCain-Kampagne hat hier nicht etwa einen Praktikanten ein Video drehen lassen, sondern ganz professionell Zitate aus den Romanen ausgewählt und die Rolle des Antichristen, die im Buch ein gewisser Nicolae Carpathia inne hat, in Bezug mit Obama gesetzt. In der Left-Behind-Reihe gründet der Protagonist Nicolae Carpathia die Weltreligion THE ONE. Er beginnt seine Karriere als junger sympathischer Senator, der mit Hilfe des Satans aufsteigt und seine Botschaft von Einheit, Hoffnung und Frieden verbreitet. Kein Zufall also, dass McCains Kampagne das Video über Barack Obama auch „THE ONE“ betitelt? Zu diesem Thema lohnt sich auch ein Blick auf GodTube, der religiösen Alternative zu YouTube.
Blogeintrag von Kerstin Plehwe
um
11:50
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Obama World Tour T-Shirt ContestDienstag, 5. August 2008
Die konservative Bloggerin Michelle Malkin war wie, viele andere Anhänger der Republikaner, von dem Spektakel um Obamas Weltreise verärgert. Deshalb rief sie auf ihrem Blog zu einem T-Shirt Wettbewerb auf, der zeigen soll, was die Konservativen von Obamas Auslandsreise halten. Die Gewinner des Wettbewerbs präsentierte Michelle Malkin bei Fox News (Das Thema beginnt ab Min. 1:24):
Viele Teilnehmer entwarfen Motive, die Obamas messianische Inszenierung mit einem Lichtkranz, wie man sie auf seiner Website findet, persiflieren. So zeigt ein T-Shirt Obama als Lichtgestalt im Kleid eines Engels. Ein weiteres Beispiel stellt ihn als Narziss dar. Ein anderes Design zeigt Barack Obama, wie er auf einem fliegenden Teppich auf Weltreise geht. Erstaunlich, dass dieses Bild noch keinen Karikaturenstreit in den USA ausgelöst hat, denn auch in dieser Abbildung wird das “andere” das “exotische” des Kandidaten hervorgekehrt.
Politische T-Shirts spielen im Wahlkampf der Konservativen auch jenseits des Wettbewerbs eine große Rolle. Und neben den offiziellen Kampagnen T-Shirts gibt es eine breite Palette. Auf der Website thoseshirts.com findet man nicht nur witziges, sondern auch Slogans, die ganz und gar nicht political correct sind.
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